Arlanda

Ausgefallenen Ideen sind, auf welchem Gebiet auch immer, keine Grenzen gesetzt. Das betrifft eben auch die internationale Hotellerie. Hier – um im fliegerischen Sprachgebrauch zu bleiben – schießen die Schweden den Vogel ab: Auf dem Stockholmer Flughafen

Super Idee: Diese 747 war einst von Singapore Airlines bestellt und dann von der einst weltweit bekannten PanAm übernommen worden. Während die US-Airline längst Geschichte ist, lebt ihr einstiges Flaggschiff weiter: Der Boden zwischen Frachtraum und Passagierunterdeck wurde herausgerissen, sodass Räumlichkeiten von wenigstens vier Meter Höhe entstanden. Aber nicht nur aus diesem Vakuum wurden Übernachtungsmöglichkeiten – die vier Triebwerke sind zu Einzelzimmern ausgebaut worden. Zu erreichen natürlich von außen, und das über eine bequeme, durch Geländer gesicherte Treppe. Von einem „ausgesprochen unkonventionellen Hostel“ spricht in diesem Zusammenhang das DLR-Magazin (DLR=Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt).

Insgesamt bietet das 747-Hostel, das auf stählernen, betonierten Sockeln verankert ist, 33 Schlafräume mit zusammen 85 Übernachtungsgelegenheiten. Die Preise variieren, können sich täglich ändern, trotzdem sei hier eine kleine Übersicht geboten: Ein Einzelzimmer mit Bad und WC kostet etwa 160 Euro pro Nacht, ein Schlafsaal mit vier Betten wird für ca. 50 Euro pro Person angeboten. Das einstige Cockpit wird als „Zweibettsuite“ bezeichnet – Preis auf Anfrage. Details unter www.747 Jumbo Hostel.

Cockpit: Das Doppelbett ist getrennt, die Liegen sind parallel jeweils da installiert, wo der Pilot und sein „Co“ ihre Sitze hatten. Der Flugzeugsteuerknüppel ist ebenso noch vorhanden wie die meisten der Bordanzeigen, etwa Höhenmesser, künstlicher Horizont oder Kreiselkompass. Es gibt auch einen TV-Schirm. Sämtliche Zimmer übrigens haben Klimaanlage, sanitäre Anlagen und Fenster – sodass vorm Einschlafen oder zum Wecken Starts und Landungen auf dem Flugplatz der schwedischen Hauptstadt verfolgt und gehört werden können.

In der früheren Ersten Klasse Oberdeck steht ein kleiner Konferenzsaal zur Verfügung. Hier wird auch das Frühstück eingenommen – Sessel, Stühle, eine gemütliche Couch und kleine Sitzecken laden dazu ebenso ein wie eine kleine Bar. Auf dem linken Tragflügel ist eine Art Biergarten geschaffen worden – vorsorglich umgittert.

ReiseTravel Fact: Kurzum – ein außergewöhnliches, einmaliges Flugplatz-Hostel. Arlanda, 37 Kilometer nördlich von Stockholm gelegen, wurde als internationaler Flugplatz Schwedens 1960 eröffnet. Er hat drei Landebahnen, eine davon 3,3 Kilometer lang. In Arlanda gibt es vier Terminals mit insgesamt 61 Gates. Der Airport wird von 64 Fluggesellschaften genutzt, die mehr als 160 in- und ausländische Ziele anfliegen. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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