Torgau

Sündiger Christstollen

Vom Fastengebäck zur Kalorienbombe: Vor etwa 550 Jahren, im Mittelalter, war der Weihnachtsstollen noch ein Fastengebäck aus Mehl, Wasser und Bierhefe. Er sollte durch seine Form an das gewickelte Christkind erinnern, Geschmack war Nebensache.

Der Torgauer Hofküchenchef und Bäcker Heinrich Drasdow kam schließlich auf die Idee, dieses Gebäck mit Zucker, Rosinen, Mandeln, Trockenfrüchten und Butter anzureichern. Diese wertvollen Zutaten waren teilweise nur in einer Apotheke zu erhalten. So grenzte sich die damalige Kundschaft auf die vermögendere Klientel ein. Außerdem war es eine heikle Angelegenheit, zur Herstellung eines Fastengebäcks die vom Papst geächteten tierischen Produkte wie Butter zu verwenden. Ein Zustand, der auch den kurfürstlichen Brüdern Friedrich der Weise und Johann der Beständige nicht geheuer war. Sie regierten damals von Torgau aus die weit verstreuten Gebiete des sächsischen Kurlandes.

Mit einem Schreiben an Papst Innozenz VIII. gelang es, die bereits praktizierte Backweise nachträglich zu legalisieren. Rom beantwortete dass Ersuchen mit einem „Butterbrief“, nach dem gegen eine Spende das Verbot der gehaltvollen Zutaten außer Kraft gesetzt wurde. In Torgau richtete man der Überlieferung nach einen Butterkasten ein, um Geld für den Bau einer steinernen Brücke über die Elbe zu sammeln. Das Infrastrukturprojekt konnte 1499 seiner Bestimmung übergeben werden.

Der Bäcker Drasdow erhielt einen Privilegienbrief für seine Stollen-Kreation und darf heute als Erfinder oder zumindest Wiederentdecker des gehaltvollen Weihnachtsgebäcks gelten, das wir heute als „Dresdner Christstollen“ kennen. Schon in der heidnischen Germanenzeit kannte man „Gebildebrote“, die Trockenfrüchte enthielten. Der Torgauer Bäcker verfeinerte also uralte Rezepte und erschloss sich mutig eine Marktlücke. Am Dresdner Hof wurden Stollen oder Striezel, wie sie dort zunächst genannt wurden, in ganz anderen Größenordnungen gefertigt und verspeist. Der Stollen wurde immer besser und bekannter. Der Legende nach sorgte auch die nuschelige Aussprache der Bewohner dieses Elbabschnitts dazu, dass aus dem Drasdower Stollen schließlich der Dresdner Stollen wurde.

Sophie klärt die Stollenfrage: Heutzutage führt eine „Bäckersfrau Sophie“ durch die Torgauer Altstadt. Sie erzählt vom früheren Alltag in der Backstube und weiß viel über Fakten, Legenden und Mythen zum Thema „wo kommt der Dresdner Stollen her?“.

Torgau – Stadt der Renaissance und Reformation: Torgau an der Elbe zählt mit zu den schönsten Renaissancestädten Deutschlands. Für geschichts- und architekturinteressierte Besucher wird der Aufenthalt in der Stadt zum Erlebnis. Hier stehen das bedeutendste noch erhaltene deutsche Schloss der Frührenaissance, Schloss Hartenfels, sowie über 500 umfangreich sanierte Einzeldenkmale. Besucher kommen in den Genuss von prachtvollen Bürgerhäusern mit oftmals wunderschönen, gut erhaltenen Deckenmalereien.

Die Stadt ist auch die bedeutsamste Reformationsstätte im Freistaat Sachsen. Hier entstand mit der Schlosskappelle der erste protestantische Kirchenneubau nach den Ideen von Martin Luther. Er persönlich weihte das Gottesshaus 1544 ein. Luthers Frau, Katharina von Bora, starb in Torgau und liegt in der Marienkirche begraben.

In Vorbereitung auf das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ im Jahr 2017 macht die Stadt in der „Lutherdekade“ durch verschiedene Veranstaltungen überregional auf sich aufmerksam. Im Rahmen der weltweiten Feierlichkeiten zu diesem wichtigen Jubiläum findet ab dem Jahr 2010 das Stadtfest der "KATHARINA – TAG“ jährlich wiederkehrend statt. Der KATHARINATAG betont die Bedeutung der Reformation und ist im Besonderen den aufgeklärten Frauen, allen voran Katharina von Bora, gewidmet.

Torgau bietet viele Gründe, um vor Ort den Spuren Martin Luthers zu folgen.

www.tic-torgau.de - www.luther2017.de

 

Von Frank Liebmann.

 

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