Freiburg

Speisen in historischem Gemäuer

Eine der ältesten Gaststuben Deutschlands: Diese befindet sich in Hinterzarten im Schwarzwald. Auf dem Areal des Parkhotels Adler, heute ein Boutique-Resort.

Das „Adler“ ist ein familienbetriebenes Unternehmen, welches jetzt bereits in der sechzehnten Generation von Katja Newman geleitet wird. Das Grand-Hotel im Belle-Époche-Stil wurde später errichtet, anstelle des ursprünglichen ersten Gebäudes entstand das typische Schwarzwaldhaus, in dem sich heute die Restaurants, die Bar, der Frühstückspavillon, ein Französischer Salon sowie die Allergiker freundlichen Zimmer befinden.

Gegenüber dem Grandhotel befindet sich das historische Schwarzwaldhaus

Der Erwerb des Anwesens durch einen Urahn der heutigen Eigentümer wurde im Steuerkodel der Gemeinde bereits 1446 datiert. So werden hier seit über 550 Jahren bereits Gäste bewirtet. Später entwickelte sich eine der vielen Poststationen, welche seit der Gründung der Post den Postreitern und später den Postkutschen zur Rast dienten. Dort konnte der Bote auch die Pferde wechseln und die Briefe übergeben.

Der Streit um die religiösen Differenzen zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union wütete auch im Schwarzwald. Eine Erscheinung der Auseinandersetzungen waren neben Plünderungen allerorten auch Brandstiftungen. So brannte während dieses Dreißigjährigen Krieges auch die damalige Bauernschänke völlig ab. 1639 wurde der Wiederaufbau des typischen Schwarzwaldhaus bei der Dorfkirche nach dem Brand fertiggestellt.

Die Schwarzwaldhäuser sind ein außergewöhnlicher Gebäudetyp, auffallend durch das heruntergezogene Dach. Die Form wurde an die Bedingungen im Schwarzwald angepasst, häufig Hanglage, große Schneemengen und starke Windbelastung. Für uns heute unvorstellbar - damals befanden sich wie in anderen Gebieten auch die Wohn- und Stallräume unter einem Dach. Die Nähe zu den Tieren hatte den angenehmen Nebeneffekt, die Wärme vom Stall ins Haus zu übertragen.

Im Jahr 1771 wurde Marie Antoinette, Tochter von Maria Theresia und Kaiser Franz I. von Österreich mit König Ludwig XIV. aus Versailles vermählt. Für die Passage von Wien nach Paris durch den Schwarzwald wurde die Höllentalstraße angelegt, die heute noch, wenn auch wesentlich bequemer und zu einer breiten Straße ausgebaut, von Hinterzarten aus in Richtung Freiburg im Breisgau führt. Es kann davon ausgegangen werden, dass die spätere Königin von Frankreich in der damaligen Poststation zu Gast gewesen ist. Eine Fahrt durch die Höllentalschlucht erklärt den Namen der Straße von selbst. Mann kann sich noch gut vorstellen, wie bedrohlich und anstrengend die Wegstrecke damals gewesen sein muss. Vermutlich aus diesem Grund erreicht man dann nach dem Durchqueren des Tals auch eine Ortschaft namens „Himmelreich“.

Für das Jahr 1840 wurde dokumentiert, dass Marie Louise, Tochter von Kaiser Franz II. und Kaiserin von Frankreich, nach dem Sturz ihres Gatten Napoleon Bonaparte nach Österreich zurückkehrte und auf dem Weg dorthin im Adler Station machte.

Historische Gebäude versprühen einen ganz eigenen Charme, auch heute noch beweist sogar die Einrichtung die lange Tradition des Hauses. Selbstverständlich überzeugt die Küche mit den Gourmet-Mahlzeiten. Aber auch ein bisschen Nostalgie macht den Aufenthalt zu einem einzigartigen Erlebnis. Im rustikalen Adler-Wirtshaus ist die komplette Ausstattung aus einfachem Holz, das elegante Abend-Restaurant Marie Antoinette kann mit einem einmaligen antiken Mobiliar aufwarten.

Gemeinsam mit dem Grandhotel und dem Café Diva ergibt das historische Schwarzwaldhaus eine stimmige Komposition und vereint unterschiedliche Epochen zu einem harmonischen Ganzen.

Im 19. Jahrhundert hatte sich die Sommerfrische und feudaler Lifestyle nicht nur beim Adel, sondern auch im Bürgertum und in der Künstlerszene fest etabliert. Großstädter genossen die Ruhe und Erholung in der Natur. Maler, Komponisten und Schriftsteller ließen sich von der unberührten Landschaft inspirieren. Wie das Tölzer Land, der Attersee oder einige andere idyllische Regionen war auch der Schwarzwald ein beliebtes Ferienziel der Erholungs suchenden aus der Stadt. Zu dieser Zeit entstand gegenüber dem typischen Schwarzwaldhaus das Grandhotel im Belle-Époche-Stil. Es wurde 1890 errichtet, 1904 wurde die großzügige Empfangshalle dazu gebaut. So galt auch das Parkhotel Adler als Kulturtreff der Region, ein Status, den es heute dank der Hotelchefin Katja Newman wieder erreicht hat.

Seit 2000 obliegt ihr die Führung der kompletten Hotelanlage. Für ihren Einsatz und ihr Engagement, das Haus wieder an die Spitze der europäischen Luxushotellerie zurückzuführen, wurde sie 2004 von der Hotelbranche mit der Kür zum „Hotelier des Jahres“ des Deutschen Fachverlags belohnt. Unterstützt wird sie dabei von Olaf Galaburda, seit 2008 Direktor im Haus und einem 80-köpfigen Hotelteam, ihrem Ehemann Jimmy, einem amerikanischen Musiker und vielleicht in ferner Zukunft von ihrem jetzt 4-jährigen Sohn Louis Oscar Joe.

Zur WM 2006 wählte Marco van Baasten, der ehemalige Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, das Parkhotel Adler als Mannschaftshotel für seine Oranjes aus. Als Erinnerung an die aufregende Zeit tragen jetzt drei Zimmer die Namen von van Baasten, van Nistelrooy und Robben.

Wer so berühmte Gäste hat, muss einfach an sie erinnern. So erzählen weitere Messingschilder an den Türen von den bekanntesten Besuchern des Hotels. Zum Repertoire gehören Zimmernamen wie Marie Antoinette, Marie Louise neben namhaften Stars aus der Musik-, TV-, Künstler- und Sportszene wie Christ de Burgh, Tina Turner oder Tokio Hotel.

Erst in den letzten Jahren entstanden der moderne Wellnesspavillon und das Café Diva, ein rundum verglastes Kaffeehaus im Wiener Jugendstil.

Parkhotel Adler - Adlerplatz 3, D-79856 Hinterzarten, www.parkhoteladler.de

info@parkhoteladler.de  

Sabine ErlEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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