Heringsdorf

Tradition und Moderne rund um das Hotel „Das Ahlbeck“ auf Usedom

Seit jeher hat die zweitgrößte Insel in Deutschland an der Ostseeküste ihre Anziehungskraft bewahrt. Usedom, gelegen in der pommerschen Bucht, ist mit ihren 42 Kilometer langen Sandstrand und ihrem immer noch malerisch dörflichem Hinterland ein beliebter Rückzugsort für Urlauber. Hinzu kommt, dass die Meteorologen Usedom dank der nordöstlichen Lage und dem meist offenen Horizont an der Ostsee mehr Sonnenstunden als anderswo im Land bescheinigen.

Doch die Insel hat im Vergleich mit anderen Küstenregionen noch einen besonderen Schatz zu präsentieren. Hier befinden sich die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Sie erinnern an ein Stück deutscher Geschichte, an den Glanz einer längst vergangenen Epoche, als sich die Highsociety des ausgehenden 19. Jahrhunderts an diesem Küstenstreifen mit weißem Sandstrand ihre prächtigen weißen und hellgelben Villen errichtete. Ein Glanzstück dieser drei Orte ist Ahlbeck, besonders bekannt durch die älteste und wie viele meinen, die schönste Seebrücke an der Ostseeküste. In Sichtweite dieses Bauwerkes direkt an der Promenade von Ahlbeck steht heute eines der besten Hotels der Kaiserbäder: „Das Ahlbeck“.

Seebrücke in Ahlbeck

Usedom by ReiseTravel.eu

Fischernetze auf der Düne

Auch das Hotel-Gebäude kann eine spannende Geschichte erzählen. Sie beginnt damit, dass sich im Jahr 1882 die Berlinerin Auguste Vogeler eine dreistöckige Villa am Meer mit Vorgarten und weißem Zaun als Pension für Sommergäste erbauen ließ. Zu dieser Zeit standen auf der Düne Holzgerüste zum Trocknen der Fischernetze. Die schmucke Villa mit 30 Gästezimmern und dem pompösen Namen „Seeschloss“ sollte mit offenen Loggien und großen Fenstern für Leichtigkeit und das ersehnte laissez faire Urlaubsgefühl sorgen. Nach Verfall und Zwangsversteigerung bauten die Eigentümer neu. „Kein Stein blieb auf dem anderen“, so erzählt die Chronik des Hauses weiter. Einzig die alte Fassade des Seeschlosses mit seinen Säulen getragenen Loggien blieb erhalten. Und zeugt noch heute von der einst mondänen Schönheit des Hauses.

Infinity-Pool und Panorama-Sauna

Trotz des verzögerten Starts in die neue Zeit kann sich nun „Das Ahlbeck“ in der langen Reihe der Villen und Hotels im Stile der prächtigen Bäderarchitektur behaupten. Das Hotel hat nun wiederum die Chance ergriffen, erfolgreich seine Hotelgeschichte weiter zu schreiben. Einen entscheidenden Anteil daran hat die Direktorin Petra Bensemann. Sie vertraut nicht allein der ausgezeichneten Lage ihres Hotels, sondern will sich von den anderen Hotels unterscheiden. Ihr Konzept lautet. „Das Haus soll einen sehr persönlichen und privaten Charakter ausstrahlen.“ Einen Fokus setzt das Hotel auf eine überschaubare Zimmerzahl und auf einen großzügigen Wellnessbereich. Durch einen kürzlich eröffneten Anbau besitzt das Hotel insgesamt nun 77 Zimmer und Suiten (in vielen Hotels sind mindestens 100 Zimmer die Norm). Außerdem wurde der Wellnessbereich des Hotels auf stolze 2000 Quadratmeter erweitert. Glanzpunkte sind eine Panorama-Sauna und ein Infinity-Pool mit Blick auf die Seebrücke. Und da ist es für den Hotelgast wieder zu spüren, dieses grenzenlose Gefühl von Freiheit, Ausgeglichenheit und Unbeschwertheit – laissez faire Urlaubsgefühl, wie es ihn schon damals in wilhelminischen Zeiten gegeben haben soll.

Das Ahlbeck will nicht auswechselbar sein. Das Hotel hat das mit dem Duft von Brot und Brötchen geschafft, die aus der eigenen Hotelbäckerei stammen und die den beziehungsreichen Namen „Der Ahlbäcker“ trägt. Bäckermeister Tore Heinisch sorgt dafür, dass hier alles nach traditioneller Backkunst ohne Fertigmischungen aus dem Backofen kommt. Eine besondere Brotkreation aus Vollkornmehl mit Leinsamen, Sesam und Roggenschrot erhielt den Namen „DAS AHLBECK“ und wird von den Hotelgästen sehr geschätzt. Knapp die Hälfte der Hotelgäste nimmt das Brot der Hotelbäckerei gern mit nach zu Hause.

Die Usedomerin Petra Bensemann engagiert sich auch aktiv für den Tourismus in ihrer Heimat. Dazu zählt für viele in der Bevölkerung und im Gastgewerbe das Thema Fischerei auf der Insel Usedom. Niemand will mehr die Holzgerüste auf den Dünen zum Trocknen der Fischernetze wie vor 130 Jahren. Aber die übergroße Mehrheit der Einwohner wie auch der Touristen wollen die örtliche Fischerei erhalten. Nicht weit vom Hotel direkt an der Düne und an der Promenade steht Uwe's Fischerhütte, eines der angesagten rustikalen Restaurants für auserlesene Fischgerichte in Ahlbeck. Eigentümer ist Uwe Krüger, ein Fischer in der sechster Generation, der seinen Zorn über die Situation seines Berufsstandes kaum zügeln kann. Die EU-Fischereiminister haben im Oktober dieses Jahres die von der EU festgelegten Fangquoten für Fisch beschlossen. „Mit diesen Jahresquoten 0,7 Tonnen Heringe und 0,7 Tonnen Dorsch im Jahr droht den Fischern auf Usedom und der gesamten Ostsee das Aus“, so Krüger. Diese Maßnahmen seien weder mit der Erhaltung der Bestände begründbar, wie sich die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte belegen lässt, noch aus Sicht der EU-Handelspolitik, da eigentlich der gesamte Fang vor Ort an der Küste verbraucht wird. Vor 30 Jahren gab es noch 50 Fischer, heute noch eine Handvoll. Nur vereinzelt fahren Kutter zum Fischen. „Wir brauchen keine Stilllegungsprämien, wir leben vom Fisch“, lautet ein Resümee des Fischers. Die Fischer wollen sich mit diesen EU-Beschlüssen nicht abfinden. Ebenso wie die Mehrheit der Inselbewohner, so wie Petra Bensemann und andere Hoteliers. Und was wollen die Touristen? Gerne frisch gefangenen Fisch essen und Fischkutter fotografieren.

Usedom by ReiseTravel.eu

Die Insel Usedom und das Hotel „Das Ahlbeck“ in Ahlbeck locken noch mit weiteren Orten, die Geschichten erzählen wie das historisch-technische Museum in Peenemünde oder die Kirche der Gemeinde Benz, bekannt geworden durch den Maler Lyonel Feininger. Da gibt es den Weg per Fahrrad oder zu Fuß über die Grenze, die nur noch einen Grenzpfahl hat, in das nahe polnische Swinemünde. Und da gibt es den mehr als 8 Kilometer langen Promenadenweg zu den anderen Kaiserbädern Heringsdorf und Bansin mit ihren Seebrücken. Aber eines ist unverzichtbar: Um einen Strandspaziergang vor der Hoteltür kommt man natürlich nicht herum, egal wie oft man bereits auf Usedom war. www.das-ahlbeck.de - www.uwes-fischerhuette.de

Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Ronald Keusch.

Ronald Keusch by ReiseTravel.euUnser Autor ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Tourismus, er lebt und arbeitet in Berlin. 
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