Hans-Peter Kolditz

Als Direktor in Paris

Adagio - eine Hotelmarke, die aus einem Joint Venture zwischen Accor und Pierre & Vacances entstanden ist, hat unlängst in Berlin ihr erstes Hotel eröffnet. Mit Adagio City Aparthotel Direktor Konzeption und Markteinführung, Hans-Peter Kolditz, führte ReiseTravel ein Gespräch.    

ReiseTravel: Herr Kolditz, Sie zeichnen aktuell für die Adagio City Aparthotels verantwortlich, wie beschreiben Sie Ihre berufliche Tätigkeit?   

Hans-Peter Kolditz: Nach fast 40 Jahren im internationalen Hotelgeschäft, davon fast 20 Jahre bei Accor, und zehn Jahre Geschäftsführer in Deutschland - unterstütze ich seit zwei Jahren die jüngste Marke der Gruppe, Adagio City Aparthotel im Bereich Konzeption, Markteinführung und vor allen Dingen in der europaweiten Entwicklung. Das Aparthotel Konzept ist noch relativ neu in Europa, hat aber ein enormes Entwicklungspotential und ist mehr und mehr bei Gästen, aber auch Investoren sehr beliebt. Von 16 Aparthotels in 2007 sind wir heute schon bei 30 Einheiten angelangt und wollen im Jahr 2014 über 80 Adagios in Europa und dem Mittleren Osten betreiben und damit die Marktführerschaft anstreben. Gleichzeitig ist Adagio international geworden, mit Eröffnungen in Basel, Berlin, Brüssel und Wien.

ReiseTravel: Sie gehören zu Accor, wer ist Accor?

Hans-Peter Kolditz: Die französische Accor Gruppe ist mit Abstand Marktführer in Europa und einer der größten Hotelkonzerne der Welt. Gleichzeitig ist die Gruppe internationaler Marktführer im Bereich der Unternehmensdienstleistungen.

ReiseTravel: Derzeit spricht jeder von der Wirtschaftskrise, eine Krise auch im Hotel?

Hans-Peter Kolditz: Diese weltweite Krise hat natürlich ihre Auswirkungen auch auf die internationale Hotellerie: In den Unternehmen wird gespart, Reisen werden gebündelt, Urlaubsreisen gekürzt, wobei die Entwicklung in den einzelnen Ländern, auch Städten recht unterschiedlich ist. So haben zum Beispiel Deutschland, die Schweiz und Frankreich sich noch recht gut gehalten. Aber Spanien und Tschechien haben kräftige Einbrüche, bis 30 Prozent zu verzeichnen, allein Prag hat dabei Einbussen bis zu 40 Prozent. Auch bei den verschiedenen Hotelkategorien gibt es unterschiedliche Auswirkungen, wobei die so genannten Low Cost Produkte weniger gelitten haben als die 4 Sterne oder die Luxus Hotellerie.

ReiseTravel: Trifft dies Krise auch Accor?

Hans-Peter Kolditz: Natürlich gibt es auch Einbrüche bei Accor, wobei die Gruppe aber aufgrund der breiten Segmentierung der Hotelprodukte – Ein bis Fünf-Sterne Hotels, und die geografische Verteilung der Netzwerke weniger gelitten hat als die meisten Konkurrenten. Auch die Neu-Positionierung fast aller Hotelmarken, die Kreierung von All Seasons, ein neues Produkt im Segment der nicht genormten Zwei-Sterne Hotellerie, der Eintritt in die Aparthotel Schiene haben unter anderen das Ihrige dazu beigetragen.

ReiseTravel: Wie sind Sie persönlich zum Accor-Konzern gekommen?

Hans-Peter Kolditz: Ich bin gekauft worden, und dies nicht zum ersten Mal: Als ich in 1977 meine Karriere in Frankreich fortsetzte - ich hatte eine Französin geheiratet, die unter keinen Umständen Paris verlassen wollte - begann ich als Finanzdirektor bei einer kleinen Hotelgruppe, die zwei Jahre später von einer größeren übernommen wurde, die wiederum wenige Jahre später von der CIWLT, der „Compagnie Internationale des Wagons Lits et du Tourisme“ aufgekauft worden ist. Bei der CIWLT war ich einige Jahre Finanzdirektor für Deutschland - Pullman, Altea, Arcade Hotels - und ging dann als Operations Direktor zurück nach Paris für die Hotelmarken Pullman und Altea in ganz Europa außerhalb Frankreichs. Anfang der 90er Jahre wurde dann die CIWLT von Accor übernommen. Hier war ich Operations Direktor für Sofitel, danach Geschäftsführer in Deutschland um dann einige Jahre, als Generaldirektor die Verantwortung für die Franchiseentwicklung der Accor Gruppe in Europa zu übernehmen.

ReiseTravel: War dieser Weg zielgerichtet oder mit Komplikationen versehen?

Hans-Peter Kolditz: Jede Übernahme war sicherlich mit Komplikationen verbunden, aber ich bin jedes Mal gut dabei weggekommen, in der Regel hat das meiner Karriere gut getan, denn jedes Mal bekam ich danach zu interessanteren Positionen und mehr Verantwortung.

ReiseTravel: Sollte in der heutigen Zeit, ein junger Mensch diesen Berufsweg einschlagen?

Hans-Peter Kolditz: Eine solide Ausbildung ist die Grundvoraussetzung: Das Erlernen von Fremdsprachen und das Kennenlernen anderer Kulturen ein unbedingtes Muss. Es war dabei nie so einfach wie heute, weltweit an interessante Posten heran zu kommen; wozu zunächst einmal Schwitzen, jede Menge Überstunden gehören, bevor man an das große Geld denken sollte. Wer immer ein wenig mehr gibt als von ihm erwartet wird, macht automatisch auf sich aufmerksam. Auch die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, der Erwerb von Managementfähigkeiten steht ganz im Vordergrund. Gesunde Neugier, die über den Tellerrand hinausgeht, ist dabei auch sehr hilfreich.

ReiseTravel: Sie stammen aus Berlin, haben Sie „Noch einen Koffer in Berlin“?

Hans-Peter Kolditz: Klar habe ich noch einen Koffer in Berlin, wo ich damals meine Lehre zum Hotelkaufmann im Hotel Ambassador absolvierte. Mein damaliger Direktor, Horst Jaeschke, war, nebenbei gesagt, immer mein Vorbild, noch bis heute. Ich hatte ja als Geschäftsführer von Accor in Deutschland schon einige Mercure Hotels und Novotels in Berlin eröffnet, es ist sicher auch kein Zufall, dass unser erstes Adagio in Deutschland in Berlin, nahe dem Kurfürstendamm, das Berliner Beherbungs-Angebot bereichert. Ich habe auch zwei Brüder und eine Schwester und jede Menge Neffen und Nichten in Berlin; es besteht also auch von daher eine starke Verbindung zu dieser Stadt, deren Entwicklung mich bei jedem Besuch erneut in Erstaunen versetzt.

Hans-Peter Kolditz – Paris ist seine Heimat

Nachfrage: Was trinkt man so, in Paris?

Wein und vor allen Dingen viel guter Rotwein steht hier natürlich im Vordergrund und es gibt viele Weinboutiquen; aber auch in den Supermärkten gibt es reichhaltige und günstige Angebote. Bei so vielen guten Käsesorten kommt man nicht um gute Rotweine herum. Ich habe aber auch noch ein paar gute Flaschen Rheingauer, Pfälzer und Badische Weine im Keller, einige noch aus unseren damaligen „Grossen Mercure Wein“ Angeboten. Aber ich kann auch einem guten Bier nicht widerstehen, am liebsten bei einer Berliner Currywurst! 

 

 

ReiseTravel: Nochmals zur Hotel-Krise – wie es geht es weiter?

Hans-Peter Kolditz: Die Krise hat sicherlich auch positive Aspekte, viele mussten sich in Frage stellen, deren Angebote besser strukturiert und segmentiert werden. Beim Kampf um den Gast geht es nicht nur um Preise, sondern vornehmlich auch um die Verbesserung der Produkte und der Dienstleistungen. Die Marken werden weiter an Boden gewinnen, der Gast will von vornherein wissen woran er ist, wenn er - übrigens immer mehr über das Internet - seine Reservierung macht. Auch der Konzentrationsprozess der Ketten wird sich weiterhin verstärken. In den USA tragen fast 80 Prozent der Hotels den Namen einer Kette, in Europa vielleicht ein Drittel. Franchise steht dabei sicherlich im Vordergrund. Ansonsten mache ich mir um die Hotellerie keine Sorgen, das wird nach wie vor eine Wachstumsbrache bleiben und auch die jährlichen hohen Zuwachsraten im internationalen Tourismus werden sich spätestens ab Mitte 2010 - 2011 wieder einstellen. Reisen wird sich immer weiter demokratisieren, denken wir dabei nur einmal an die hunderte von Millionen Chinesen, Inder und Südamerikaner für die das Reisen in den kommenden Jahren erschwinglich werden wird.

ReiseTravel: Wie geht es persönlich weiter?

Hans-Peter Kolditz: Beruflich geht es ja notgedrungen in Richtung Ruhestand, wobei hier jedoch keine Eile besteht, noch macht es mir außerordentlich viel Spaß bei der Weiterentwicklung von Adagio mithelfen zu können. Privat? Ich habe schon ein kleines Häuschen im Süden Frankreichs, im Baskenland, wo es jede Menge Golfplätze, Strand und Meer gibt. Was deshalb die Frage nach Hobbys angeht, werde ich mich wohl für Golf oder Segeln entscheiden müssen. Heute gehören neben meinem Beruf, der mir immer viel Spaß gemacht hat, meine Familie - die ich aufgrund meines Berufes viel zu wenig gesehen habe - und Gartenarbeit Zu meinen Hobbys.

ReiseTravel: Vielen Dank für das Gespräch.

www.adagio-city.com

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher Foto von Udo Rößling.

Sehr geehrte ReiseTravel User, bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

ReiseTravel aktuell:

Windsor

Great West Way: Eine Reise von Bristol nach Windsor, per Bahn, Schiff und per Pedes. Zum 200. Geburtstag von Queen Victoria und der aktuellen Geburt...

Wertheim

Reisen & Speisen: Im Weinland an der Tauber dominieren bei den Rotweinen der Schwarzriesling und der Spätburgunder. Die Weinrebe...

Berlin

Rauchen gefährdet die Gesundheit: Seit 200 Jahren werden auf Kuba Zigarren hergestellt, in Handarbeit. Einzelne Manufakturen können besucht...

Gori

In Gori kann der Besucher nur staunen: Straßen, Gebäude, Geschäfte und Museen beleben den Geist von Josef Stalin. Ein ganzes Museum...

Bristol

Nationalspeise: Traditionell wird Fish’n’Chips mit den Fingern gegessen. Allerdings haben auch hier moderne Sitten die Tradition...

Creglingen-Archshofen

Grenzerfahrungen: Wer keine Grenzen überwinden muss, hat es leicht. Früher sorgten Landesgrenzen schon mal für Probleme. Dank EU und...

Detroit

Erhabenes Gefühl: Wenn es um amerikanische Autos geht, ist der V8 meist nicht weit. Für die einen verkörpert sich die Autokultur der...

Bukarest

Neuer Diesel und mehr Komfort: Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie liefern immer wieder willkommene Argumente für politische...

Goslar

Bürgerschreck oder Hoffnungsträger: Beim Thema Datensicherheit verhalten sich die Bundesbürger so ambivalent wie selten: Einerseits...

Wien

Meinung: Ich finde den Betrag noch zu gering, aber auf jeden Fall ist er ein Anfang, um die Tages-Touristenströme eventuell etwas...

ReiseTravel Suche

nach oben