St. Anton

De Luxe Refugium mit langer Tradition in den Bergen

Ferien in St. Anton: Als sich die Skipioniere auf dem Arlberg anschickten, den alpinen Skilauf zu revolutionieren, bewirtete das Gasthaus Tannenhof in St. Anton bereits seine Gäste. In den 1960er-Jahren wurde aus dem Wirtshaus ein Hotel in bester Lage – am Fuße des Schöngrabens im St. Antoner Ortsteil Nasserein. Über die Jahrzehnte erlebte der Tannenhof mehrere Modernisierungszyklen, bis das Hotel 2008 eine Kapazität von 50 Gästebetten und 23 Zimmern hatte. Das Hotel Tannenhof war all die Jahrzehnte einer der Hotspots in St. Anton und das Feriendomizil gekrönter Häupter und anderer schillernder Persönlichkeiten.

Im Jahr 2010 wechselte der Traditionsbetrieb den Besitzer. Die neuen Eigentümer läuteten eine neue Ära ein für das St. Antoner Hotellerie-Schmuckstück. Nachdem die Bauherren die Idee eines Totalumbaus allein aus statischen Gründen verwerfen mussten, entschlossen sie sich, den Bestand abzubrechen und den neuen Tannenhof auf den alten Grundmauern aufzubauen. Seit Ende 2011 erstrahlt das traditionelle Hotel Tannenhof in neuem Glanz und begeistert Gäste mit seinem Konzept als kleinstes und feinstes De-luxe-Refugium der Fünf-Sterne-Superior-Kategorie.

Komfort und Luxus in intimer Atmosphäre: Behaglich und großzügig sind die sieben Suiten des Tannenhofs, die Gästen zwischen 75 und 200 Quadratmetern Platz bieten. Die verwendeten Baustoffe und Materialien spiegeln einen modernen Stil wider, der sich jedoch nirgendwo im Haus vor den alten, traditionellen Werkstoffen verschließt. So hielten etwa im neuen Tannenhof aufbereitete Altholzbestände der alten Baustruktur ebenso Einzug in die gelungene Innenarchitektur wie wohlduftende regionale Hölzer und Steine. In den Badezimmern etwa finden sich frei stehende Badewannen aus gepresstem Naturstein, der die Wassertemperatur länger zu halten vermag als herkömmliches Material. Die großen Rain-Dance-Duschen, die handgefertigten Naturstein-Waschtische wie aus einem Guss, die Natursteinfliesen und das partiell im Raum integrierte Altholz in Kombination mit einer speziellen Verputztechnik an den Wänden schaffen eine Wohlfühl-Atmosphäre, die man, hat man sie erst einmal erlebt, forthin nicht mehr missen möchte.

In den Wohnräumen liegen einem geräucherte Eichenparkette zu Füßen. Hochwertige Naturwollteppiche sind in den Schlafzimmern und begehbaren Umkleidezimmern aufgelegt. Die offenen Kamine der Suiten werden täglich zweimal neu bestückt und beheizt, sodass sich jederzeit ein wohliges Wohngefühl einstellen kann. Die großen, sonnenseitig ausgerichteten Balkone der Suiten laden zum Sonnenbaden ein, und das mondäne Alpendorf St. Anton selbst behält der Gast stets im Blick.

Technisch gesehen ist zudem alles da, was man sich heute in modernen Wohnräumen wünscht: große TV-Flachbildschirme mit Entertainment-Programm, Docking- und Ladestationen für mobile Endgeräte wie iPods, iPads, iPhones und Laptops oder intelligente Lichtsysteme, die Gäste jederzeit nach eigenen Wünschen programmieren können.

Mit Haubenkoch Christoph Zangerl auf zu neuen kulinarischen Höhen

Christoph Zangerl Seitdem der Tiroler Christoph Zangerl für die kulinarische Linie im Tannenhof verantwortlich ist, ist das De-luxe-Refugium auf dem Arlberg dabei, ganz oben im Olymp der edlen Hotelrestaurants Platz zu nehmen – und auch zu bleiben. Starkoch Christoph Zangerl, der drei Gault-Millau-Hauben für das Interalpen-Hotel Tyrol in Telfs erkocht hat, dirigiert nun das Küchenteam des Fünf-Sterne-Superior-Hotels in St. Anton am Arlberg.

Im Tannenhof brilliert Zangerl mit einem pfiffigen Mix aus Moderne und Tradition: Dabei verarbeitet der österreichische Spitzenkoch nur hochwertige Zutaten, die großteils von kleinen Bauern und Produzenten aus den Tiroler Bezirken Landeck und Imst zugeliefert werden – und die zudem als biologisch zertifizierte Tiroler Produkte ausgewiesen sein müssen. In der kommenden Saison wird der Haubenkoch Gourmets nicht zuletzt mit seinen exklusiven Kulinarik-Packages zum Schwelgen bringen. Der Chef de Cuisine zaubert etwa ein anregendes Neun-Gänge-Diner oder serviert seine feinen Kreationen direkt in der Suite! Christoph Zangerl gewährt außerdem seltene Einblicke in seine Küchenkunst. Zudem zeigt der Könner in einem eigenen Kulinarik-Workshop, wie sich Hobbyköche mit einfachen Kniffen kurzerhand in neue kulinarische Dimensionen katapultieren können.

Top-Sommelière als neue Wein-Ratgeberin im Tannenhof

Paula Bosch hat das Berufsbild der Sommelière geprägt wie keine andere. Vor 30 Jahren war sie Deutschlands erster weiblicher Weinkellner. Heute gilt die Deutsche aus Baden-Württemberg in Fachkreisen als beste Sommelière im gesamten deutschsprachigen Raum.

Ihr umfassendes Weinwissen, ihr „Riecher“ für besonders edle Gewächse und die jahrzehntelange Erfahrung waren es auch, die das Hotelmanagement des Tannenhofs dazu bewogen hat, mit der Spitzen-Sommelière zusammenzuarbeiten. So hat Paula Bosch als erste ihrer Taten die neue Weinkarte des Tannenhofs zusammengestellt, die nun insgesamt 400 ausgesuchte Positionen aufweist. Sie ist aber auch für das erlesene Weinsortiment im Keller verantwortlich – und sie bestimmt gemeinsam mit Haubenkoch Christoph Zangerl die anspruchsvolle gastronomische Linie. Die Weinkennerin und Buchautorin ist seit knapp 35 Jahren im Geschäft – und davon hat sie allein mehr als 20 Jahre als Sommelière im Münchner Gourmettempel Tantris verbracht, dem Zwei-Sterne-Restaurant von Starkoch Hans Haas.

Spa und Wellness – von urzeitlichen Kraftsteinen und Kräuterdüften

Das Tannenhof-Spa selbst ist großzügig angelegt und mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden – in seinem Herzen ein 15 mal fünf Meter großer Swimmingpool mit Gegenstromanlage und Massagedüsen. Und der Whirlpool ist so platziert, dass die Gäste stets freien Blick auf die umliegenden Berggipfel haben. Weitere belebende Wellness-Einrichtungen sind ein Aroma-Dampfbad, eine Innen- und eine Außensauna, ein Quellwasser-Tauchbecken, Massage- und Kosmetikräume, eine Spa-Lounge, in der ein Kamin wohlige Wärme verbreitet.

Im Fitness- und Workout-Raum des alpinen Luxus-Refugiums sind Trainingsgeräte aufgestellt, auf denen man sich auf Wunsch auch unter Aufsicht eines Personal Trainers auspowern kann. Die Fitnesstrainer des Tannenhofs erstellen auch Trainingspläne, die auf individuelle Bedürfnisse und Vorlieben, auf die aktuelle Leistungsfähigkeit oder auf das spezielle Trainingsziel hin abgestimmt werden können. Auch die Power Plate, ein ausgeklügeltes und äußerst effektives Vibrations-Muskeltrainingsgerät aus der Raumfahrt, hat ihren festen Platz in der Fitnesszone des Tannenhofs. Durch deren dreidimensionale Schwingungen arbeiten beim Training sämtliche Muskelgruppen im Körper, insbesondere die Tiefenmuskulatur.

Und danach kümmern sich erfahrene Masseurinnen, Masseure und Kosmetikerinnen um die therapeutischen Anwendungen, Massagen, Gesichts- und Kosmetikbehandlungen. So ist das Fünf-Sterne-Superior-Hotel bekannt für seine Verwöhn- und Kräuterstempelmassagen, die individuell auf den Gast abgestimmt werden. Und der Tannenhof gehört auch zu den wenigen Luxusklasse-Hotels, die exklusiv eine rituelle Urstein-Massage anbieten, die sich des raren Silberquarzits aus dem Südtiroler Pfitschtal bedient.

Anreise Auto: ACHTUNG! Vignettenpflicht auf allen österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen.

Bahn: Zielbahnhof St. Anton am Arlberg, zahlreiche Zugverbindungen mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), Deutsche Bahn AG (DB), Schweizer Bahn (SBB) oder mit den italienischen Staatsbahnen (FS).

Flug: Flughäfen Innsbruck (ca. 100 km), Memmingen (ca. 170 km), Flughafen Friedrichshafen (ca. 130 km), Zürich (ca. 200 km), München (ca. 250 km), Salzburg (ca. 300 km). Vom Hotel werden Shuttledienste von/zum Flughafen angeboten.

Tel. 0043/5446/303011, www.hoteltannenhof.net

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Elke Backert.

Elke Backert
 

Unsere Autorin ist freie Reisejournalistin und lebt in Hamburg. www.elkebackert.de

Sehr geehrte ReiseTravel User, bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

Lifestyle Besuch bei einer Kochbuchautorin mit Kulinarik und Genuss

Rose Marie Donhauser ist dem Genuss immer auf der Spur, von Bali bis Italien in der Welt unterwegs und träumt davon, eines Tages Restaurantkritikerin für Kreuzfahrtschiffe zu werden – um sich noch mehr den Wind um die Nase wehen zu lassen. „Wer nicht genießt, wird ungenießbar“ – dieses frei interpretierte Zitat von Konstantin Wecker lässt Rose Marie Donhauser immer wieder auf das Wesentliche zurückkommen: Lieber eine einfache Gulaschsuppe, zubereitet mit den besten Zutaten und viel Herzblut, als im feinsten Lokal zu speisen und die „Leidenschaft“ der Küche nicht erkennen zu können. Rose Marie Donhauser lebt in Berlin und hat einen Sohn und eine Tochter. ReiseTravel im Gespräch mit der Erfolgs-Autorin:  

ReiseTravel: Kochbücher zu schreiben, scheint ganz einfach zu sein, was die Flut der Bücher inklusive vieler Laien-Autoren beweisen mag? 

Rose Marie Donhauser: Manchmal verzichte ich bewusst darauf, zu sagen, was ich beruflich ausübe. Sobald ich erzähle, dass ich seit 22 Jahren als Kochbuchautorin und zwar als hauptberufliche Auftragsautorin arbeite, werde ich in Rezeptgespräche, misslungene Gerichte und deren Fehlerfindung, in Tipps für gute Restaurants und Empfehlungen für gute Lebensmittelqualitäten verwickelt. Das kann Stunden dauern und – nur manchmal – möchte ich eben mal über etwas anderes reden. Doch – ich habe das Glück, dass meine fundierte gastronomische Ausbildung in der Spitzengastronomie, die in die Autorentätigkeit mündete – auch meinem Hobby als Hauptinteresse gilt. Die Arbeit geht fließend in die Freizeit über, d. h., dass ich ständig und immer dem Genuss auf der Spur bin.

ReiseTravel: Es geht rauf und es geht runter? 

Rose Marie Donhauser: Geschichten über den Kochbuchmarkt sind Erfolgsgeschichten. Die Branche – die Verleger – jammern zwar immer, ich erinnere mich seit 1989 - mein erster Besuch auf der Buchmesse - und das nun schon seit 20 Jahren, dass es kein Jahr gab, in dem die Branche nicht „kulinarisch stöhnte“. Gerechterweise muss man einfügen, dass sich zeitweise zu viele Verlage dem Segment „Kochbuch“ gewidmet haben und dass natürlich im Laufe der Zeit wieder eine starke Bereinigung am Markt zwangsläufig erfolgen musste. Namhafte Verlage wie zum Beispiel Falken, BLV, Weltbild, Meister, Mosaik verschwanden, weitere Verlage kappten oder stutzten kurzerhand ihre „Genussabteilungen“ bis auf weiteres und machten „einen auf Gesundheitsratgeber“ – eben, was demoskopisch dem Verbraucher unterstellt wurde. Moden wurden und werden bis zum Exzess ausgeschlachtet, entweder sind auf den Schlag 20 druckfrische Titel zum Thema Schokolade im Umlauf – oder dann eben wieder gar keines oder eines in die Jahre gekommenes. Ich habe mich schon ab und an gefragt, ob es eine gewisse „Spionage-Tätigkeit“ zwischen Verlagen gibt, wo unter der Hand getuschelt wird: „Es ist jetzt die Zeit für Nudelbücher. Mal gucken, wer als erster damit auf dem Markt ist.“     

ReiseTravel: Von Promis bis zu den Lizenzen, wie läuft so etwas? 

Rose Marie Donhauser: Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Es geht darum, Geld zu verdienen. Für die Verleger heißt dies u. a. sich an die seit Jahren über sämtliche Bildschirme kochenden Akteure, die sich einen Bekanntheitsgrad und auch Promi-Status erworben haben, ranzuhängen und zeitgleich mit ihnen Kochbücher zu veröffentlichen. Ich denke, dass es mittlerweile kaum noch einen Prominenten gibt, der nicht ein Kochbuch geschrieben oder schreiben hat lassen - hier komme ich oft ins Spiel als Ghostwriterin. Hinzu kommen die wirklichen Kochprofis wie Wohlfahrt, Lafer, Witzigmann & Co. auf Sterne-Niveau, deren Bücher für die Laien zum Blättern wunderschön und für die Hobbyköche eine Offenbarung sind. Die Auswahl der Bücher ist also schon von Fernsehstars und Meisterköchen bereits ein weites Feld. Hinzu kommen die gekauften Lizenzen aus dem Ausland: Besonders aufwendige Themen, die als Auftragsarbeit für den Verlag sehr viel Geld kosten würden, aber als bereits fertiges Buch zum Übersetzen im preislichen Rahmen bleiben. Es ist nur so, dass die Qualität der Rezeptübersetzungen zum Beispiel vom Amerikanischen ins Deutsche oft wunderlich anmutet: Wer wiegt und misst denn bitte schön 165 g Putenfleisch mit 225 g Rahmspinat und 80 g Sahne ab? Beim Nachkochen kann man eventuell solche Fehler im Topf noch auffangen, aber Lizenz-Rezepte beim Backen, die Grammgenau sein müssen, sind mit Vorsicht genießen, sprich gehen meist daneben. 

ReiseTravel: Kochbuch-Autorin als Hauptberuf?   

Rose Marie Donhauser: Ja, das gibt es, denn Bücher zu schreiben braucht Zeit. In meinem Fachgebiet „Essen & Trinken“ habe ich mir seit 1988 einen festen Platz im Bereich der Kulinarik als freie Autorin erschrieben. Verlage brauchen Auftragsautoren, um fundierte, fachlich einwandfreie Manuskripte zu erhalten und um auch Jahre voraus planen zu können. Natürlich nehmen Verlage auch mal Manuskripte von Freizeitautoren an, aber nur, wenn es ein außergewöhnliches Thema ist und dieses auch „Profihaft aufgekocht oder aufbereitet“ ist. Alles, was in Richtung Produktaufklärung, Ernährungswissenschaft, Recherche rund um Kultur und Historie von Ernährung, Land & Menschen in Bezug auf die gewachsene Küche, Erstellen von Wissenswertem spezieller Lebensmittel und kreativer Rezeptentwicklung geht – wird an Fachautoren in Auftrag gegeben. Die Verlage wissen ganz genau, welcher Autor oder welche Autorin für das gewünschte Fachthema spezialisiert und geeignet ist. Mein Ruf besteht darin, dass ich als Praktikerin (gelernte Köchin) und Welt gereiste Gourmetjournalistin Kreativität, Innovation und neue Ideen mit fachlicher Kompetenz sehr gut verknüpfe. Bekomme ich einen Auftrag, wie zum Beispiel vom Verlag Jacobi & Stuart, ein Küchenlexikon über „Küchen der Welt von A bis Z“ zu schreiben, freue ich mich sehr, meine (lebenslangen) Recherchen in über 300 Seiten zu fassen (erschienen Oktober 2009). Genauso kann es ergehen, dass ich mal selbst ein Thema vorschlage, weil ich erstens den Kochbuchmarkt genau beobachte und mir denke, so ein Buch fehlt und mich eben mal einige Monate nach Bali „abseile“, um Land, Menschen und Küche zu erforschen. „Balinesisch kochen“, erschienen 2008 im „Verlag Die Werkstatt“ wurde sogar als Kochbuch des Monats vom Focus ausgezeichnet.

ReiseTravel: Das Bedeutet: Beruf(ung), Harte Arbeit, Selbst und ständig?  

Rose Marie Donhauser: Als freie Autorin habe ich natürlich meine Schreibstunden, die aber nicht unbedingt von 8 bis 17 Uhr stattfinden, sondern je nach Recherche, mich auch abends oder am Wochenende an den Schreibtisch kleistern. Interviews und Probeessen mit Köchen, Schulungen im Sensorikbereich von Essen & Wein, Pressereisen vor Ort, um zu sehen, wie beispielsweise Parmesan, Aceto balsamico und Serrano Schinken hergestellt werden. Reisen nach Norwegen und Schottland, um die Aquafarmen und die Austernbänke zu besichtigen. Es ist absolut wichtig, über das, was ich schreibe, auch 100prozentig Bescheid zu wissen, um fachliche Qualität authentisch zu beschreiben. Nichts ist schlimmer, als Halbwissen schwammig weiter zu geben. Und genau das, wissen auch die Verlage, dass ich absolut zuverlässig und mit penibler Genauigkeit schreibe.

ReiseTravel: Wie entstehen neue Rezepte? 

Rose Marie Donhauser: Das Entwickeln von Rezepten ist eine wunderbare Sache. Besonders in den letzten Jahren bekommen wir alle internationalen Zutaten, Multi-Kulti-mäßig, überall. Der Geschmack ist international, es gibt nichts, was es nicht gibt, aber wiederum doch besinnen sich die Länder selbstbewusst auf ihre eigenen Küchen. Ruft nun ein Verlag an und fragt nach, ob ich Interesse eventuell am Thema „99 Saucen für Nudeln“ habe, kann ich, je nach Zeit und Neugier zum Thema, ab- oder zusagen. (2008 erschienen im Weltbild Verlag, „99 Nudelsaucen) Der Verlag gibt mir bestimmte Eckdaten vor, d.h. gewünschte Größe, Seitenanzahl, ob jedes Rezept bebildert wird, welcher Fotograf und vor allem, den Zeitpunkt der Abgabe vom fertigen Manuskript. Da ich „Profi“ bin, weiß ich ziemlich schnell, was gewünscht ist und fertige ein Konzept an. Die zuständige Lektorin berät sich mit mir, wir inspirieren uns gegenseitig mit einem „Brainstorming“, was Vorstellungen, Änderungen und Ausstattung des Kochbuches betrifft. Dann geht alles ziemlich flott: Ich weiß anhand der Seitenzahl, wie viele Rezepte ich benötige, die Einteilung der Kapitel zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Gemüse – gibt ein Raster vor, des weiteren filtere ich runter: Beim Thema Fleisch habe ich Platz für 20 Rezepte, also alle Sorten Fleisch von Schwein bis Strauß, mit den unterschiedlichsten Gar-, Zubereitungs- und Zeitmöglichkeiten, jedes Rezept muss andere Zutaten vorweisen. Keine Doppelungen von Gemüsesorten, kreativ individuell würzen und für jeden Geschmack was bieten. Sobald ich die Rezepte „entworfen“ habe, schicke ich sie an meine „Testerinnen“, zwei Hausfrauen, die unbedarft - genauso wie der potentielle Kochbuchkäufer - an das Rezept herangehen und dieses nachkochen. Bekomme ich von meinen „Kochdamen“ das OK, mit Bemerkungen zurück, korrigiere ich notfalls und gebe meine Rezepte im Verlag ab. Dort werden sie dann lektoriert und nochmals nachgekocht zum Fotografieren.

ReiseTravel: Wie kann und soll das alles weitergehen?  

Rose Marie Donhauser: Gegessen wird immer – also wird auch weiterhin gekocht. Da aber die Kochsendungen nicht unbedingt das Kochen vermitteln, sondern als Show eher von „Chips essenden Voyeuren“ geguckt werden, ist auch weiterhin der Kochbuchmarkt gefragt. Ein wahrhaftiges Buch in der Hand zu halten, mit Appetit anregenden Fotos zum Animieren, mit Schritt-für-Schritt-Erklärungen wie alles gemacht werden soll, zum Blättern, zum Schmökern und praxisorientierte Rezepte zum Nachkochen. Dieser Markt wird sich immer wieder neu erfinden und althergebrachtes wieder neu aufbereiten. Und schließlich haben Foodfotos modisch gesehen nur einige Jahre Haltbarkeit. Also – auf zum nächsten Buch, denn das letzte Kochbuch über Italien liegt bei mir schon einige Jahre zurück.

ReiseTravel: Liebe Frau Rose Marie Donhauser, vielen Dank für das Gespräch! 

Rose Marie Donhauser 

 

Rose Marie Donhauser wurde 1959 geboren und wuchs in einem Landgasthof im Landkreis Altötting/Oberbayern auf. Sie verbrachte ihre Lehrjahre in der internationalen Hotellerie, unter anderem im Hilton. Anschließend arbeitete sie als Köchin und Food & Beverage- Managerin. Nach über 15 Jahren in Schweden, Belgien, München – in den besten Hotels –hatte sie ein sicheres Fundament, um über Gastronomie und Kulinarisches schreiben zu können. Das nötige Handwerkszeug erlernte sie an der "Akademie der Bayerischen Presse". Seit 1988 ist sie als Kochbuchautorin, Food- und Reisejournalistin sowie Restauranttesterin. Sie war acht Jahre im Ressort "Essen und Trinken" der Abendzeitung München tätig, schrieb Artikel für Fachmagazine und war Ernährungsexpertin des RBB. Rose Marie Donhauser ist Jurymitglied bei den "Berliner Meisterköchen", gibt ihre Erfahrung in Kochkursen weiter und trat in Kochsendungen der ARD und des SWR auf. Inzwischen hat sie mehr als 160 Kochbuchtitel veröffentlicht, von denen mehrere ausgezeichnet wurden, beispielsweise mit dem Gourmand World Cookbook Award, der Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands oder den Schweizer Goldlorbeeren. http://www.donhauser-essklasse.de -

Kochen, Essen, Schreiben als Beruf.

Von Gerald H. Ueberscher.

Sehr geehrte ReiseTravel User, bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 



 

.

Kochen, Essen, Schreiben als Beruf.

ReiseTravel aktuell:

Windsor

Great West Way: Eine Reise von Bristol nach Windsor, per Bahn, Schiff und per Pedes. Zum 200. Geburtstag von Queen Victoria und der aktuellen Geburt...

Reinhold Andert

History: Im Jahre 531 eroberten und besetzten die Franken das Thüringer Königreich. Dieses Reich umfasste das heutige Thüringen,...

Berlin

Pietät: Respekt und Ehrfurcht vor den Toten. Aktuell werden in der Bundeshauptstadt von den etwa 35.000 jährlich Verstorbenen fast die...

Gori

In Gori kann der Besucher nur staunen: Straßen, Gebäude, Geschäfte und Museen beleben den Geist von Josef Stalin. Ein ganzes Museum...

Balatonkeresztúr

Balatonkeresztúr: Archäologische Funde bestätigen, dass auch Kelten, Römer und Hunnen auf dem Gebiet des Dorfes lebten. Die...

Krumau

Prosit: In Böhmen wurde Bier seit jeher aus Hopfen, Malz und Wasser gebraut. Brauen konnte fast jeder, meist wurde im Mittelalter jedoch von...

London

Raubkatze mit geschärftem Look: Jaguar gönnt dem F-Type ein Facelift. Zu erkennen geben sich das Coupé und Cabriolet an der...

Rom

Auch als Nachzügler überpünktlich: Mit Panda und 500 beginnt bei Fiat ab sofort das Elektro-Zeitalter. Das mag manchem reichlich...

Berlin

Fruit Logistica: Die internationalste Veranstaltung für die Frischfruchtbranche fand mit Themen wie Nachhaltigkeit, Innovationen und besseren...

Warschau

Es ist paradox: Während viele europäische Partner Donald Trumps Regierung als obskur oder gar bedrohlich erachten, sieht die polnische...

ReiseTravel Suche

nach oben