München

Der Organspendenausweis – Organ spenden kann Leben retten

Der Organspendenausweis klärt die Entscheidung für oder gegen Organ spenden: Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Schriftsteller bezeichnet es als den besten Weg, auch nach dem eigenen Tod noch andere Menschen glücklich zu machen: Das Organspenden.

Die wenigsten Menschen denken darüber nach, weil es sie nicht betrifft. Ausführlich informiert man sich allerdings spätestens dann, wenn man selbst oder ein Familienmitglied damit konfrontiert wird. Leider ist es meist dann schon sehr spät. Der Bedarf an einem Organ kann jeden treffen und zwar ganz plötzlich. Sei es durch Unfall oder Krankheit, beides unvorhersehbare Risikofaktoren im Leben jedes Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, Organempfänger zu werden ist zehnmal höher als Organspender zu werden. 4,3 Prozent der Patienten sterben auf der Warteliste, ehe sie aufgrund des Mangels an Bereitschaft Organspender zu werden, ein notwendiges Organ bekommen haben. „Wer nehmen würde, der sollte auch bereit sein zu geben“, sagt Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender de Barmer GEK.

Organspender

Für seine sportlichen Leistungen und sozialen Engagements erhielt Stephan bereits mehrere Auszeichnungen (2.v.l.)

Horrorszenarien und die Angst zu früh von den Ärzten für tot erklärt zu werden, sind unbegründet. Voraussetzung für eine Organspende ist der Hirntod nach Unfall-Kopfverletzung oder Hirnblutung. Unter Hirntod versteht man die endgültig erloschene Funktion des gesamten Gehirns. Der Hirntod ist der Todeszeitpunkt, auch wenn Herz und Kreislauf noch künstlich von den Maschinen aufrecht erhalten werden können. Den zweifelsfreien Hirntod müssen zwei spezialisierte Ärzte unabhängig voneinander feststellen.

Das Gehirn reagiert am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel. Massive Hirnschädigungen sowie länger andauernder Sauerstoffmangel führen zu einem unwiederbringlichen Ausfall aller Gehirnfunktionen trotz künstlicher Beatmung und aufrechterhaltender Herz-Kreislauf-Tätigkeit. Dieser Ausfall gilt weltweit als sicheres Todeszeichen und als unabdingbare Voraussetzung für eine Entnahme von Organen. Das Gehirn dieser Patienten weist keinerlei Aktivität mehr auf und eine Wiedererlangung des Bewusstseins und die selbständige Steuerung von Herz, Kreislauf und Atmung gelten als ausgeschlossen.

Jede Verwechslung mit anderen schwerwiegenden Hirnschädigungen ist angesichts dieser klaren Kriterien nicht möglich. Eine Verwechslungsgefahr mit Wachkomapatienten besteht nicht. Die Art der Hirnschädigung ist in beiden Fällen zu unterschiedlich.

Natürlich tragen Organspende-Skandale nicht gerade dazu bei, den Menschen Vertrauen in die Vorgehensweise ein zu flössen. Allerdings handelt es sich, so traurig das auch immer ist, um Ausnahmefälle. Mittlerweile haben die Vorfälle darüber hinaus auch positive Wellen geschlagen. Durch das eingeführte Mehr-Augen-Prinzip entscheiden mehrere Mediziner, wer welches Organ bekommt. Ohnehin nicht in Verruf gekommen waren die Nierentransplantationen. Hier ist schon lange klar geregelt, dass der erste Dialysetag der Beginn der Wartezeit ist. Eine Manipulation ist hier nicht möglich. Lebendspenden unter Verwandten oder Ehepartnern machen heute bei Nieren 28 Prozent der Transplantationen aus.

Einer dieser Dialysepatienten, welche auf der Warteliste für eine Organtransplantation steht, ist Stephan Müller. Seit zehn Jahren wartet er auf eine Nierenspende und ist auf die lebenserhaltende Dialyse angewiesen. Drei Mal wöchentlich geht er fünf Stunden zur der Dialyse und sah sich einmal bereits seinem Lebenstraum sehr nahe. Auf dem Weg in die Klinik zur Transplantation wurde ihm mitgeteilt, dass die Niere doch nicht passt und er wurde wieder nach Hause geschickt. Dies war, so sagt er, einer der traurigsten Momente  in seinem Leben.

Müller ist ein Beispiel dafür, dass man seinen Mut nicht verlieren soll. Er trainiert seinen Körper durch regelmäßigen Radsport und Schwimmen. Bei der Europameisterschaft der Transplantierten und Dialysepatienten erhielt er mehrere Medaillen bei den Rad- und Schwimmwettbewerben. Dabei geht es Müller, wie er betont, nicht um die Ehrungen, sondern um die Möglichkeit hierdurch auf die Problematik aufmerksam zu machen. Er sieht sich als Botschafter, der durch seine Erfolge auf die Notwendigkeit einer Organspende hinweisen will. Egal wie auch immer die Entscheidung ausfallen mag, damit befassen sollte sich jeder. Auch wenn er nicht davon betroffen ist, wünscht sich Stephan.

Wenn kein Spenderausweise vorliegt, entscheiden die Angehörigen für oder gegen eine Organspende. Wenige Menschen wissen allerdings, dass man sich mit einem Organspendenausweis nicht nur für, sondern auch ausdrücklich gegen eine Organentnahme aussprechen kann. Des Weiteren ist es möglich, die Spendenbereitschaft auf ein bestimmtes Organ zu beschränken oder auch Gewebespenden wie z.B. die Haut zu erlauben.

Um im Ernstfall die Angehörigen in einer ohnehin schwierigen Situation nicht zusätzlich zu belasten, empfiehlt es sich, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mit einem Organspendenausweis kann man im Zweifelsfall seinen Willen eindeutig festlegen. Auch ist der Entschluss nicht unwiderruflich. Wer seine Meinung ändert, vernichtet den alten und füllt einen neuen Ausweis aus. www.organspendeinfo.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Sabine Erl 

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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