Berlin

Mobil bis ins hohe Alter

Nicht nur der demographische Wandel, auch die alltäglichen Gewohnheiten führen dazu, dass heutzutage so viele Senioren wie nie zuvor mobil sind: Welche Bedürfnisse ältere Verkehrsteilnehmer haben, welche Nachteile die Ausrichtung der Infrastruktur auf die automobile Gesellschaft hat und dass man im Alter trotzdem nicht unbedingt das eigene Auto braucht, um in Bewegung zu bleiben, zeigt der ökologische Verkehrsclub VCD in der aktuellen Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift fairkehr.

Nie zuvor waren Senioren so mobil wie heute. Sie joggen regelmäßig, sind reiselustig und fahren immer häufiger Auto. War es Anfang der 1990er Jahre noch weniger als die Hälfte der Rentner, die unmittelbaren Zugriff auf einen Pkw hatten, so sind es inzwischen 80 Prozent. Mit dem Auto als Sinnbild für Freiheit und Unabhängigkeit aufgewachsen, setzen sie sich auch im höheren Alter noch hinter das Steuer. Doch je älter die Fahrer werden, umso häufiger sind sie bei einem Unfall auch die Hauptverursacher - auch wenn es überdurchschnittlich oft bei Sachschäden bleibt. Allerspätestens dann, wenn sie sich hinter dem Lenkrad nicht mehr sicher fühlen, sind die Senioren gefordert, ihre automobilen Gewohnheiten zu hinterfragen.

Dabei muss der Umstieg vom Auto nicht als Verzicht begriffen werden: Die Freiheit, ohne Auto zu leben, macht Spaß, hält fit und gesund, stärkt das Selbstbewusstsein und die eigene Sicherheit. Unterstützung bietet zum Beispiel der Arbeitskreis Senioren beim VCD, der sich zum einen für bessere Bedingungen für ältere Fußgänger, Radler, Bus- und Bahnnutzer und auch Autofahrer einsetzt. „Zum anderen geben wir Tipps und beraten ältere Menschen, wie sie unter den aktuellen Bedingungen am sichersten und gesündesten mobil sein können“, erklärt die 70-jährige Monika Ganseforth, Mitglied im Arbeitskreis und im VCD-Bundesvorstand, in der fairkehr.

Einkäufe lassen mit Hilfe eines schicken Shoppers, einer Einkaufstasche auf Rädern, erledigen; viele Einzelhändler bieten ihren Kunden auch einen Bringdienst.

Die alltäglichen, oftmals verhältnismäßig kurzen Wege zum Supermarkt, zum Arzt oder zum Chor können zu Fuß, mit dem Rad oder Bus und Bahn zurückgelegt werden. Pedelecs, Fahrräder mit Elektrounterstützung, gleichen fehlende Muskelkraft aus und nehmen Hügeln, Gegenwind und längeren Wegen ihre Schrecken. Wem Routine und Sicherheit beim Radeln fehlt, der kann spezielle Radfahrkurse belegen, die in vielen Regionen für Wiedereinsteiger angeboten werden. Für Verkehrsverbünde und -unternehmen zählen ermäßigte Fahrkarten für Senioren mittlerweile zum Standard. Darüber hinaus bieten sie oft Informationsabende, Busfahrtrainings, Hilfe bei der Reiseplanung oder Reisebegleitung an. Bürgerbusse erschließen auch Orte ohne funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr.

Als Bumerang erweist sich beim Abschied vom Auto häufig die Infrastruktur, die immer stärker auf den Individualverkehr ausgerichtet ist: Schon heute können acht Millionen Menschen bundesweit den nächsten Lebensmittelladen nicht zu Fuß erreichen. Der VCD setzt sich daher für lebendige öffentliche Räume und dezentrale Strukturen ein. In ihren Kommunen sollten sich jedoch auch Senioren aktiv engagieren und durch Bürgerbeteiligung daran mitarbeiten, dass kurze Wege, gut lesbare Fahrpläne an Haltestellen, verständliche Lautsprecherdurchsagen, längere Grünphasen, Fahrstühle an Bahnstationen, abgesenkte Bordsteine und persönliche Ansprechpartner in Bus und Bahn selbstverständlich werden. *Barrierefreiheit ist ein Grundprinzip“, so Monika Ganseforth. „Sie kommt allen zugute, nicht nur Älteren, sondern auch Gehbehinderten, Blinden, Kindern und Menschen, die mit viel Gepäck oder Kinderwagen unterwegs sind.“

 

www.vcd.org

 

Von Anna Fehmel

 

Sehr geehrte ReiseTravel User,

bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank.  

Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu

 

 

 

 

 

 

ReiseTravel Suche

nach oben