Düsseldorf

Klinische Forschung und Fachärzte sind vereint in der AWMF

Experten aus Grundlagenforschung: Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften – AWMF, vereint 250.000 Mitglieder und 168 medizinisch wissenschaftliche Fachgesellschaften und blickt auf ihren 52. Geburtstag zurück. Die „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften“ (AWMF) hat ihren Sitz in Düsseldorf. Das Ziel der AWMF ist, eine Verknüpfung zwischen wissenschaftlicher Medizin und ärztlicher Praxis herzustellen. Mitglieder sind daher Experten aus der Grundlagenforschung sowie der klinischen Forschung aus allen fachärztlichen Bereichen und Gesundheitsökonomen und Vertreter aus dem Sektor Arztrecht. Seit 1995 fördert und koordiniert die AWMF auch die Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie aufgrund einer Empfehlung des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Sehr oft werden diese Leitlinien im Internet abgerufen. Nicht nur Ärzte rufen diese Leitlinien ab, es sind auch Patienten. Hinzukommen Berufsvertreter aus dem Sektor Pharmazie, seien es Apotheker oder Diplom Biologen und Diplom Chemiker. Fast eine halbe Million Mal wurde die Leitlinie „Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD)“ abgerufen. Die Leitlinie „Harnwegsinfektionen“ wurde fast 175.000 Mal abgerufen. Die Leitlinien bilden die Grundlage vieler Empfehlungen der AWMF an die in der Gesundheitspolitik Verantwortlichen.

Prof. Dr. med. Karl Heinz Rahn ist Präsident der AWMF. Der Internist war u. a. von 1994 bis 2004 Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster. Er wies darauf hin, mit 250.000 Mitgliedern „sind beispielsweise mehr Leute in unseren Reihen als die GRÜNEN Mitglieder haben.“ Immerhin entsprechen 250.000 Mitgliedern auch 2,5 Großstädten in Deutschland, denn bekanntlich ist eine Gemeinde ab 100.000 Einwohnern hierzulande Großstadt. Prof. Rahn erklärte ferner, zu den 168 Fachgesellschaften zählen auch Patientenorganisationen. Jede einzelne Gesellschaft werde gehört, bevor die AWMF ihre Empfehlung abgebe. Bei kontrollierten Studien im Bereich der Pharmaforschung gebe es immer noch Schwachstellen. So sei die Lobby für Kinder, aber auch die für Senioren, nicht sehr groß. Man müsse auch da die Realitäten sehen, so der Experte. Ein Arzneimittelhersteller müsse nun einmal Gewinne einfahren, wenn er bestehen bleiben wolle am Markt. Ein Medikament zu erforschen und letztendlich zu produzieren lohnt sich wirtschaftlich nicht, wenn an einer bestimmten Krankheit deutschlandweit nur wenige dutzend Menschen leiden. „Oft finden sich einfach die nötigen Sponsoren für diese kontrollierten Studien nicht.“ Bei neu auf dem Markt kommenden Medikamenten müsse generell langfristig beobachtet werden, wie die Gesamtwirkung ist. Der Mediziner belegte das an dem Beispiel eines blutdrucksenkenden Mittel. Das neue Medikament senke zwar den hohen Blutdruck, später jedoch müsse man verkünden, das neue Medikament schädige die Nieren. Auch nach Platzierung auf dem Markt müsse geforscht und beobachtet werden, wie ein Mittel letztendlich wirkt. Ein hochaktueller Fall beschäftigt seit den Wahlen zum Europaparlament im Mai 2014 die AWMF. Seit dem 1. November leitet der Luxemburger Jean Claude Juncker als Präsident die Europäische Kommission. Er hatte die Idee, den Arzneimittelsektor innerhalb der Kommissariate zu verschieben. Der Arzneimittelsektor sollte vom EU Kommissar für Gesundheit zum EU Kommissar für Wirtschaft wechseln. Dagegen hat sich die AWMF vehement gewehrt. Bis jetzt gab es einen halben Sieg und eine halbe Niederlage. Der EU Präsident hat den Bereich Arzneimittel beim Kommissar für Gesundheit belassen. Dafür wanderte der Sektor Gesundheitstechnologie vom EU Kommissar für Gesundheit zum EU Kommissar für Wirtschaft. Die AWMF ist mit dieser Entscheidung nicht glücklich und hofft noch auf ein Umdenken bei der EU in Brüssel. www.awmf.org.

Fact: Die AWMF ist über ein halbes Jahrhundert alt und kann auf eine viertel Million Mitglieder verweisen. Diese Mitglieder verteilen sich auf fast 170 Fachgesellschaften. Die Erfolgsgeschichte der AWMF werden durch diese guten Zahlen belegt. Sie erhebt ihre Stimme, wie das aktuelle Brüsseler Beispiel eindrucksvoll belegt. Natürlich müssen Pharmafirmen auch schwarze Zahlen vorweisen, um zu überleben. Diese Unternehmungen jedoch in einen großen EU Topf mit Autobauern, Kühlschrankherstellern im Kommissariat Wirtschaft anzusiedeln, fördert bestimmt nicht die EU Begeisterung der Bevölkerung. Die Gesundheit ist ein besonderes Gut und hat sicherlich ihre Daseinsberechtigung ausschließlich im Gesundheitssektor und nicht woanders.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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