Berlin

Gender Gesundheit gewinnt immer mehr an Bedeutung

Männergesundheit und Frauengesundheit debattiert beim Bundeskongress Gender Gesundheit: Zum 2. Mal fand der Bundeskongress „Gender-Gesundheit“ statt. In der „Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften“ am Gendarmenmarkt in Berlin trafen sich Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege und Gesundheitsverwaltung. Ins Leben gerufen hat diesen Bundeskongress Dr. Martina Kloepfer, die auch wieder als Präsidentin dieser Tagung fungierte, sie ist Trainerin für Medienauftritte, außerdem in den Bereichen Rhetorik und Stimmtraining tätig.

Zur Zielsetzung beim 2. Bundeskongress „Gender Gesundheit“ heißt es: „Die Praxis der pflegerischen Versorgung ist seit jeher weiblich geprägt. Zukünftig wird aber auch die medizinische Versorgung überwiegend in der Hand von Ärztinnen liegen. Dennoch ist die letztendliche Entscheidungshoheit im deutschen Gesundheitswesen, in Politik, Forschung und Verwaltung, nach wie vor männlich dominiert.“

Pausen Talk mit Infos: Bundeskongress Gender Gesundheit in Berlin

Gender Gesundheit

Dr. Martina Kloepfer, Gründerin des Bundeskongresses Gender-Gesundheit; Dr. med. Regina Klakow-Franck, Gemeinsamer Bundesausschuss Bundesärztekammer; Andreas Westerfellhaus, Deutscher Pflegerat e.V. (v.l.n.r.)

Die Politik hat den Genderbereich erkannt, so vereinbarten im Koalitionsvertrag CDU/CSU und SPD: „Wir wollen die jeweiligen Besonderheiten berücksichtigen, die sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung insbesondere für die gesundheitliche Versorgung und die Erarbeitung von medizinischen Behandlungsleitlinien ergeben.“

Welche große Bedeutung der 2. Bundeskongress Gender-Gesundheit hat, mag man daran ermessen, dass die Hamburger Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, Cornelia Prüfer-Strocks (SPD), die Schirmherrschaft übernommen hat und auch persönlich am Eröffnungstag in Berlin das Grußwort gesprochen hatte.

ReiseTravel sprach mit der Gründerin Dr. Martina Kloepfer, die mitteilen konnte, dass beim 1. Bundeskongress Gendermedizin vor einem Jahr knapp 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich ausgetauscht und auch Netzwerke eingerichtet hatten, aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich kamen ebenfalls Teilnehmer angereist.

„Die Teilnehmer stammen aus den Bereichen der Ärzteschaft, wobei sowohl Fachärzte als auch Allgemeinmediziner zu den Gästen gehörten, ebenso kamen die Gäste aus den Bereichen der Pflegeberufe, Heilpraktiker, Hebammen, Familienämter- und Gesundheitsamtsmitarbeiter sowie von Seiten der Krankenkassen.“

Die Gründerin dieses Bundeskongresses gab uns zwei Beispiele, warum es so wichtig ist, die Augen auf Gender zu legen. „Depressionen äußern sich bei Männern ganz anders als bei Frauen. Viele Männer scheuen sich immer noch heutzutage, über ihre Sorgen und Belastungen wie Arbeitslosigkeit, immer mehr Stress im Berufsleben, Überlastung und dergleichen zu reden. Es gilt die alte Karl-May-Maxime „Indianer weinen nicht“ und man möchte das Rollenbild, das in der Gesellschaft vorhanden ist, nicht ins Wanken bringen.

Obwohl Männer auch von Depressionen betroffen sind, gibt es kaum ein Mann zu, darunter zu leiden. Bei den Frauen dagegen ist das Thema Herzinfarkt beinahe ein Tabuthema. Herzinfarkt betrifft nur Männer, lautet da das Klischee. Dabei ist auch hier das klassische Rollenbild oft der Auslöser dafür, dass die Frau eine Doppelbelastung in den Bereichen Familie und Beruf hat, dass es zum Infarkt kommen kann. Wir mussten leider erleben, und es ist immer noch so: Selbst ein Notfallteam erkennt einen Herzinfarkt bei einer Frau recht spät. Geht eine Frau mit Symptomen eines Herzinfarktes zum behandelnden Arzt, wird in der Praxis oft gar nicht auf Herzinfarkt untersucht. All dies belegt doch, wie wichtig, wie notwendig es ist, sich noch mehr dem Bereich Gender Gesundheit zu widmen. Erfreulicherweise kann man es so ausdrücken: Wir sind schon auf dem richtigen Weg, ans Ziel der Reise sind wir alle aber immer noch nicht angelangt.“

Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey von der Charité Berlin teilte als eine der zahlreichen Referenten des Bundeskongresses 2014 mit, bei „den Doktorarbeiten im Fachbereich Humanmedizin liegt die Quote bei Männern und Frauen hierzulande bei 50:50, betrachte man dagegen die Habilitationen, zeigen sich ganz andere Werte. Nur 20 % der promovierten Ärztinnen liefern noch eine Habilitation ab.“

Prof. Dr. Annelie Keil war früher an der Universität Bremen tätig und lebt jetzt im Ruhestand, diese Referentin erklärte: „Gender ist eine der beweglichsten Kategorien.“

Als Referenten nahmen auch Vertreter aus dem Deutschen Bundestag teil; so die Abgeordneten Maria Klein-Schmeink (GRÜNE), Birgit Wöllert (DIE LINKE), Maria Michalk (CDU/CSU) und Mechthild Rawert (SPD).

ReiseTravel Fact: Unser Großeltern und teilweise sogar noch unsere Eltern konnten mit dem Begriff „Gender“ nichts anfangen, selbst dann nicht, wenn sie Ärzte von Beruf waren. Heute hat dieser so wichtige Bereich endlich den ihm zustehenden Stellenwert erfahren. Dazu beigetragen haben auch Veranstaltungen und Kongresse dieser Art wie der von unserer Redaktion besuchte „2. Bundeskongress Gender-Gesundheit.“

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker-T. Neef.  

Volker T. Neef  

Unser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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