Peking

An der Vogelgrippe erkranken extrem selten Menschen

Bis zum 9. Mai 2013 waren 131 Erkrankungsfälle chinaweit mit 32 Todesfällen an die WHO gemeldet: Zunehmend erhalten wir Anfragen überwiegend von beruflich Reisenden nach China bezüglich der Gefährdung durch die dort grassierende Vogelgrippe H7N9. Ausführliche Darstellungen der Fälle haben in der Öffentlichkeit zu einem vollkommen inadäquaten Risikobewusstsein geführt.

Vogelgrippe China

Interpretation: An dieser Vogelgrippe erkranken extrem selten Menschen, selbst wenn wir von einer deutlichen Untererfassung ausgehen: China hat fast 1,3 Milliarden Einwohner und selbst wenn wir den Raum Shanghai betrachten sind wir immer noch bei unter einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner. Die Erkrankungen betreffen überwiegend die Bevölkerung mit Kontakt zu Vögeln. Bisher ist noch kein ausländischer Geschäftsmann erkrankt. Zum Vergleich ist das Risiko der Teilnahme am Straßenverkehr deutlich höher, aber daran sind wir eben gewöhnt.

Die Vogelgrippe H7N9 kann für den Menschen, wenn er erkrankt, lebensgefährlich sein. Wir kennen allerdings nicht die Zahl der Infizierten ohne Erkrankung, da Reihenuntersuchungen bisher nicht veröffentlicht wurden. Dies könnte, ähnlich wie bei der Schweinegrippe, ein anderes Bild vermitteln.

Nachdem im Rahmen der Erkrankung besonders die unteren Atemwege befallen sind, ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch sehr schwierig. Ob diese Übertragung bereits mehrfach stattgefunden hat, wissen wir derzeit nicht.

Die epidemiologische Entwicklung der Erkrankungsfälle verläuft sehr langsam und kontinuierlich. Es lässt sich kein exponentielles Wachstum wie bei einer drohenden Epidemie erkennen.

Sicher besteht die theoretische Möglichkeit, dass dieses Virus, wie alle Grippeviren, mutieren kann und dann zur pandemischen Bedrohung für die Menschheit wird. Damit sind derartigen Szenarien die rein theoretisch-wissenschaftliche Richtigkeit nicht abzusprechen. Dies jedoch bei jedem Auftreten einer dieser Erkrankungen sofort in die Öffentlichkeit zu geben ist unverantwortliche Panikmache.  Erinnern wir uns an die H5N1 Vogelgrippe 2007!

Nach den bisherigen Erfahrungen hat eine derartige Entwicklung nicht stattgefunden. Wir beobachten Vogelgrippeerkrankungen beim Menschen seit vielen Jahren. Und wenn doch, was bieten uns die Kassandrarufer an?  Verzicht auf Reisen nach China ist sicher nicht die Lösung. Denn wenn es wirklich zu einer Epidemie dort kommen würde, haben wir sie in wenigen Tagen auch hier bei uns. Diese Erfahrung haben wir mit SARS gemacht.

Konsequenzen: Aktuell ist eine abwartende Haltung mit Beobachtung der weiteren Entwicklung der Situation angemessen. Ein Grund für eine Einschränkung von Reisetätigkeiten nach China besteht aktuell nicht.

Ein Kommentar für ReiseTravel von Dr. med. Nikolaus Frühwein und Dr. med. Markus Frühwein.

Bayerische Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V., Briennerstr. 11, D-80333 München, www.tropenmedizin.org

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