Berlin

Rheuma ist ein Oberbegriff von über 400 Erkrankungen am Bewegungsapparat

Rheuma ist in Deutschland eine Volkskrankheit: Hierzulande leiden knapp 1,5 Millionen Menschen daran, bei 80 Millionen Einwohnern ist ca. jeder 50. Bürger davon betroffen. Wer nun meint, diese Krankheit ist eine Angelegenheit, wo Senioren unter sich sind, irrt ganz gewaltig. Teilt der Arzt dem Patienten diese niederschmetternde Diagnose mit, sind 15 Prozent aller Betroffenen unter 40 Jahre jung. Rheuma ist ein Oberbegriff von bis zu 400 verschiedenen Erkrankungen, die durch chronische Schmerzen am Bewegungsapparat gekennzeichnet sind. Vorwiegend betroffen sind Knochen, Gelenke, die Wirbelsäule sowie damit verbunden Muskeln, Sehnen und Bänder. Es sind sogar Formen bekannt, wo Organe wie Haut, Herz, Lunge, Nieren und Augen sowie das Nervensystem betroffen sind.

Fallen Arbeitnehmer krankheitsbedingt am Arbeitsplatz aus, sind es zu 30 Prozent rheumatische Erkrankungen, die sie zwingen, sich krankmelden zu müssen. Es geht sogar so weit, dass 5 Prozent der von Rheuma betroffenen Arbeitnehmer im 1. Jahr nach Erkrankung ihre Arbeit aufgeben. Weitere 20 Prozent tun dies nach 3 Jahren. Es ist aber durchaus möglich ist, die Volkskrankheit Rheuma mit dem beruflichen Wirken zu vereinbaren.

Besonders gelungene Projekte werden seit 2009 gewürdigt: Der „Rheuma Preis“ wird verliehen an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die gemeinsam partnerschaftliche Lösungen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit des Arbeitnehmers mit Rheuma umgesetzt haben. Er wird jährlich vergeben und ist mit 3.000 Euro dotiert, der Arbeitgeber erhält eine Urkunde für „bemerkenswertes Engagement für Arbeitnehmer mit Rheuma.“

Aktuell fand die Verleihung des Rheuma Preises in Berlin statt. Schirmherr war der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja, der betonte: „Die Diagnose einer chronischen Erkrankung ist immer ein tiefer Einschnitt in das bisherige Leben. Wo eben noch das Leben geregelt schien, einem alle Türen offen standen, fallen in kürzester Zeit Planungen und Wünsche in sich zusammen.“

In diesem Jahr wurden zwei Arbeitnehmer und erstmals eine Studentin geehrt. Durch die Ehrung einer Studentin soll auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass junge Menschen an Universitäten und Fachhochschulen neben dem Studium besondere Leistungen erbringen müssen, wenn sie unter Rheuma leiden. Das fängt bei so banalen Dingen an, Vorlesungstermine und Praktika in Labors mit den zahlreichen Terminen bei Fachärzten und Physiotherapeuten terminlich vereinbaren zu können. Da ist es für die Erkrankten wohltuend, wenn Professoren den Erkrankten in Arbeitsgruppen einplanen, wo Rheuma Erkrankte es zeitlich mit all seinen zusätzlichen Terminen vereinbaren kann. Ein Studium lässt sich schließlich nur erfolgreich abschließen, wenn die nötige Präsenz bei Vorlesungen und Praktika seitens des Studierenden gegeben ist. Die Berliner Staatssekretärin für Gesundheit, Emine Demirbüken-Wegner, war bei der Verleihung des Rheuma Preis anwesend und wies daraufhin: „Dieser Preis erinnert daran, viele Menschen leiden unter dieser Krankheit. Er erinnert auch daran, man soll nie aufgeben. Betroffenen muss man eine faire Chance geben, sich am Arbeitsplatz engagieren zu können.“ Ludwig Hammel ist Geschäftsführer der „Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V.“, das Amt bekleidet er seit über einem Vierteljahrhundert. Er ist selber von der Erkrankung betroffen und betonte: „Der Rheuma Preis soll auch Arbeitgebern Mut machen, uns einzustellen. Stellt uns Rheuma - Kranke ein, wir beißen garantiert nicht und stehen am Arbeitsplatz auch unseren Mann bzw. Frau.“ www.bechterew.de - www.RheumaPreis.de

ReiseTravel Fact: Die Vorsilbe „Volks“ bei Worten wie Volkssänger und Volksschauspieler sind eine Ehrung, sprechen sowohl Mediziner als auch Patienten von einer „Volkskrankheit“ negiert sich die Vorsilbe „Volks.“ Jeder 50. Deutsche ist von Rheuma betroffen, es muss auch noch viel getan werden, um klarzumachen, jeder kann von dieser Volkskrankheit betroffen werden. Sie ist altersunabhängig. Der Rheuma Preis ist Ansporn für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, gemeinsame und tragbare Lösungen am Arbeitsplatz zu finden. Keiner sollte je vergessen, schon morgen kann der Arzt bei einem selber Rheuma diagnostizieren, auch bei einem Arbeitgeber.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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