Nairobi

Mein Kampf gegen den Brustkrebs

Besteigung des Kilimanjaro zugunsten der Krebsforschung: Er wirkt mächtig. Als größter freistehender Berg erhebt sich der Kilimanjaro mit seiner Höhe von 5.895 Metern aus der weiten Ebene Ostafrikas. Ehrfürchtig blicken wir auf seinen Gipfel. An jenem Morgen, an dem ich mein Vorhaben in die Realität umsetzen werde: „Wenn ich das erste Jahr überlebe, besteige ich den Kilimanjaro“, so meine Worte am Tag vor meiner Brust-OP.

Die niederschmetternde Diagnose kam Anfang Juli 2004. Wenige Wochen nach dem Abstillen meines zweiten Sohnes entpuppte sich ein Knoten in meiner Brust, den ich anfangs für eine verstopfte Milchdrüse hielt, als bösartiger Tumor. Es ging rasend schnell. Innerhalb von zwei Wochen folgten dem Ertasten des Knotens die Mammographie, Stanzbiopsie und Amputation der rechten Brust.    

„Wenn ich das erste Jahr überlebe, besteige ich den Kilimanjaro“

Auf dem Gipfel: Die Besteigung des Kilimanjaro dauert sechs Tage. Vier Tage für den Aufstieg und zwei Tage für den Abstieg. „Pole, pole“ – „langsam, langsam“ machen wir uns zur ersten Etappe auf, die uns vom Machame Gate (1.800 Meter) durch den Bergregenwald und Heidezone zum Camp unterhalb der Machame Hütte (3.100 Meter) führt. Weiter durch die Heide- und Moorzone geht es am nächsten Tag zum Shira Plateau auf 3.840 Meter. Während des Aufstiegs bieten sich atemberaubende Ausblicke auf die drei Gipfel des Kilimanjaro, den Kibo (5.895 Meter), Mawenzi (5.149 Meter) und Shira (3.962 Meter). Es ist kalt in der Nacht. So kalt, dass ich meinem kleinen Einmannzelt entfliehe und bei meinen Freunden im Zelt Unterschlupf suche.  

Der Amputation meiner Brust folgten Bestrahlung und Antihormontherapie, eine absolute Unterdrückung des Östrogens. Wechseljahre. Im Alter von 34 Jahren. Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen, Libidoverlust. Fühle mich kastriert. Mein Körper altert. Mit vierunddreißig. Stimmungsschwankungen bis hin zu rabenschwarzen Löchern.

Angst. Alpträume. Träume von Tod und meiner Beerdigung.

Das Bild meiner Kinder an meinem Grab verfolgt mich. Und doch Hoffnung. Es gibt gute Heilungschancen. Ich lebe!
 

Langsam macht uns die Höhe zu schaffen. Wir überschreiten die 4.000 Meter Marke und bewegen uns zum Lava Tower, der auf 4.600 Meter Höhe liegt. Eiseskälte und Graupelschauer erfassen uns. Mit eingezogenen Kinn und hoch geschnürten Jacken steigen wir ab durch die märchenhaft anmutende afroalpine Zone zu unserem Camp nähe der Barranco-Hütte auf 3.900 Meter. Die Kälte bleibt. Wir verkriechen uns in unser Esszelt, in dem schon der „Welcome-Tea“ wartet.

Mich verlässt der Mut. Der Tag war hart - Kopfschmerzen, Übelkeit, Kälte. Frage mich, ob aus meiner „Mutmachaktion“ eine „Frustaktion“ wird. Mir wird bewusst, warum ich diese Tour mache. Ich habe Krebs. Möchte mir beweisen, dass ich mich von der Krankheit nicht unterkriegen lasse.


Es ist schwierig, als Brustkrebskranke einen Weg durch die zahlreichen Heilmethoden zu finden. Es gibt ebenso viele Meinungen wie Ärzte. Und letztendlich muss man sich selbst für einen Weg entscheiden. Als Laie. Unter Berücksichtigung seines Versichertenstatus. Denn auch bei Krebskranken macht sich die Zweiklassengesellschaft im Bereich des Gesundheitssystems bemerkbar. Kassenpatienten erhalten nicht immer die optimale Behandlung. Aus Kostengründen.

Wir sehen eine steile Wand vor uns. Klettern schmale Wege an steilen Abhängen entlang. Geschickt überholen uns die „Porter“, die Träger, die unsere Taschen, Zelte und Verpflegung tragen. Meist auf dem Kopf. Ohne ihre Hilfe wäre diese Tour nicht möglich. Rasende Kopfschmerzen machen mir zu schaffen. Nach acht Stunden erreichen wir unser Camp nähe der Barafuhütte auf 4.600 Meter Höhe. Inmitten riesiger Lava-Brocken stehen unsere Zelte. Ein unbeschreiblicher Ausblick im Sonnenuntergang lässt die Kopfschmerzen verblassen. Sprachlosigkeit. Es ist gibt keine Worte, diese Stimmung zu beschreiben. Wir sehen den Kibo. Noch in der Nacht werden wir zum Gipfelsturm starten. Wir versuchen zu schlafen. 

Ja, ich lebe! Und je mehr ich mich an meine neue Lebenssituation gewöhne, desto mehr habe ich Zeit, mich mit dem Thema Brustkrebs auseinander zu setzen. In Deutschland erkrankt jede neunte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.

Es ist die häufigste Todesursache bei Frauen zwischen 40 und 55 Jahren. Und trotzdem, so mein Gefühl befassen wir uns sehr wenig mit dem Thema. Wenigen Frauen ist bewusst, wie wichtig die Früherkennung ist. Auch im jungen Alter. Dazu zählt regelmäßiges Abtasten der eigenen Brust. Es muss Aufgabe der Frauenärzte sein, Patientinnen diesbezüglich besser zu schulen. Und ich sehe es als meine Aufgabe, über meine Erfahrung zu sprechen. Um aufzuklären und Mut zu machen. Im Kampf gegen Krebs. 

   

Um elf Uhr abends geht es los. Wir ziehen alles an, was unser Gepäck zu bieten hat. Denn es ist kalt. Im Zeitlupentempo nähern wir uns dem Gipfel. Wir sprechen nicht. Das ist zu anstrengend. Stunde um Stunde setzen wir einen Fuß? vor den anderen. Fast mechanisch. Atmen langsam.

„Nach einem Jahr Hormonentzug werden Sie die Kraft kaum haben“, so mein Onkologe zu meinen Plänen. Doch. Ich habe sie. Nach gut sieben Stunden geht die Sonne auf. Wir spüren etwas Wärme, tauen langsam auf. Nach acht Stunden haben wir den Kraterrand erreicht, befinden uns am Stella Point auf 5.732 Meter. Große Erleichterung, Tränen der Freude. Denn hier gilt der Berg bereits als bestiegen. Ich habe mein Ziel erreicht. 

   

Fast. Meint der Guide. „Du willst doch sicher Deine Geschichte zu Ende schreiben, oder?“. Diese Worte überzeugen mich. Wir gehen weiter. Nach einer Stunde erreichen wir den Uhuru Peak (5.985 Meter), den höchsten Punkt Afrikas. Ich habe es geschafft!

Einen kurzen Moment genieße ich die Aussicht und das Gefühl, hier zu sein.

Ganz oben.

Lange war ich nicht ganz oben.

Bin weit weg von den tiefen, schwarzen Löchern.

Dann setze ich mich. Bin erschöpft. Schlafe ein.

 

Kontakt

 

Informationen zum Thema Brustkrebs

KOMEN Deutschland e. V.
Verein für die Heilung von Brustkrebs
Louisenstraße 28, D-61348 Bad Homburg v.d.H.
Tel: 06172/68 10 60, Fax: 06172/681 06 19, e -Mail: info@komen.de

www.komen.de

mamazone - Frauen und Forschung gegen Brustkrebs e.V.
Max-Hempel-Strasse 3, D-86153 Augsburg
Tel: 0821/52 13-144, Fax: 0821/52 13-143, e -Mail: info@mamazone.de

www.mamazone.de

 Informationen Kilimanjaro-Besteigung: Der Kilimanjaro ist einer der zugänglichsten Hochgebirgsgipfel der Erde und ohne alpine Kletterpraxis erreichbar. Entscheidend ist vielmehr bei der Besteigung die Bewältigung der extremen Höhenunterschiede.

FernAktiv Reisen, Huber/Sorger GbR
Neustraße 70, D-54290 Trier
Tel: 0651/912 96 90, Fax: 0651/912 96 91, e-Mail: kontakt@fernaktiv-reisen.de - www.fernaktiv-reisen.de

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Eva Schumacher-Wulf.

 

 

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