Hamburg

Stiftung für Zukunftsfragen stellt 30. Deutsche Tourismusanalyse vor

Wohin geht die Reise: Die Reiseintensität der Bundesbürger erhöhte sich 2013 im fünften Jahr in Folge auf aktuell 57 Prozent. Dies geht aus der 30. Deutschen Tourismusanalyse hervor, für die 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihrem Urlaubsverhalten 2013 und ihren Reiseabsichten für 2014 befragt wurden.

Zugelegt haben zahlreiche kleinere Ferienregionen in Deutschland, etwa die Sächsische Schweiz mit dem Elbsandsteingebirge.

„Die erneute Steigerung lässt sich mit dem wirtschaftlich starken Jahr 2013 erklären, das gekennzeichnet war durch eine geringe Arbeitslosenquote und einen hohen Exportüberschuss. Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung verringerten sich parallel zu dieser Entwicklung und in der Konsequenz verreisten wieder deutlich mehr Deutsche als in der Vergangenheit“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.

Ob Strandurlaub, Skifahren, Wellness-Wochenende, Kulturreise, Sportwoche oder Städtetrip – jeder fünfte Bundesbürger (20%) wollte sich in der vergangenen Reisesaison nicht auf einen Urlaub beschränken und war daher gleich mehrfach auf Reisen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um drei Prozentpunkte, im 5-Jahres-Vergleich sogar fast einer Verdoppelung (2009: 11%). Betrachtet man lediglich die Reisenden, wird deutlich: Wer es sich leisten kann, ist besonders mobil. So war rund jeder Vierte zweimal unterwegs, sieben Prozent verreisten sogar dreimal und nahezu jeder 25. viermal und öfter.

Baden-Württemberg gewinnt Marktanteile

Deutschland war auch in der vergangenen Reisesaison das mit Abstand beliebteste Urlaubsziel der Bundesbürger. 2013 verbrachten erneut fast zwei von fünf Bürgern ihren Urlaub zwischen Nord- und Süddeutschland. Erstmals seit Jahren konnten jedoch keine Zuwächse beim Inlandstourismus verzeichnet werden – zumindest nicht beim Haupturlaub. Bei den inländischen Zielen setzten sich die bayerischen Feriengebiete leicht von der Ostseeküste in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ab. Ebenso wie die Küstengebiete an der Nordsee konnten jedoch auch die Ferienregionen in Bayern und an der Ostsee nicht ganz ihr Vorjahresniveau halten. Zugelegt haben dagegen die Schwarzwald- und Bodenseeregionen in Baden-Württemberg, die zu den Gewinnern der Reisesaison 2013 zählen. Zahlreiche kleinere Ferienregionen in Deutschland verzeichneten ebenfalls steigende Marktanteile – u.a. die Mecklenburgische Seenplatte und die Lüneburger Heide, die Sächsische Schweiz und das Erzgebirge sowie die Eifel und das Sauerland.

Nordthailand Dschungel Elefantentrip - Fernost, etwa Thailand, konnte Zugewinne verzeichnen.

Auslandsreiseziele: Spanien gewinnt, Italien verliert Marktanteile

Spanien ist zweifellos einer der Gewinner der vergangenen Reisesaison. Mehr als jeder achte Bundesbürger verbrachte seinen Urlaub im Jahr 2013 auf der Iberischen Halbinsel bzw. den spanischen Inseln. Damit reisten mehr Deutsche nach Spanien als in alle Fernreise-Destinationen zusammen oder fast doppelt so viele wie in die drittplatzierte Türkei. Diese konnte zwar keine Marktanteile hinzugewinnen, dennoch den Abstand zum zweitplatzierten Italien verringern, da die Gebiete von Südtirol bis Sizilien weniger deutsche Gäste begrüßen konnten.

Einbußen mussten auch Kroatien und die skandinavischen Länder hinnehmen, wohingegen Polen und die Benelux-Staaten sich über Zuwächse freuten. Erstmals seit Ausbruch der Krise konnten auch die griechischen Reisegebiete um Athen, Kreta oder auf dem Peloponnes wieder mehr Touristen aus Deutschland beherbergen. Die breite Image-Kampagne und eine gute Preis-Leistungs-Politik haben sich hier ausgezahlt.

Fernreiseziele: Die weite Welt fasziniert weiterhin

Mehr als jeden neunten Deutschen zog es 2013 zu außereuropäischen Destinationen, dies entspricht einem Plus von 5 Prozent. Trotz leichter Verluste erwiesen sich hierbei die nordafrikanischen Ferienziele als beliebteste Fernreiseziele. Reinhardt: „Seit Beginn des Arabischen Frühlings bleibt die Situation der gesamten Region abhängig von der jeweiligen Entwicklung vor Ort. Denn alleine mit Sonne, Strand und Meer, Gastfreundschaft und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Touristen nicht zu überzeugen. Die Sicherheit vor Ort muss garantiert sein und bleibt somit die Voraussetzung, dass die Gäste überhaupt (wieder-)kommen. Dieses traf in der abgelaufenen Urlaubssaison besonders auf Ägypten zu: Reisewarnungen, Medienberichte über Unruhen sowie wechselnde politische Verhältnisse haben der Tourismusbranche am Nil nachhaltig geschadet.“

Deutliche Zugewinne konnten die Urlaubsgebiete in Fernost verzeichnen: Ob China, Hongkong, Thailand oder Indien – zunehmend mehr Deutsche wollten die asiatische Kultur kennenlernen. Die Touristenströme in die Karibik und Mittelamerika haben sich wieder leicht in Richtung USA und Kanada verschoben. Nicht nur ein guter Wechselkurs zwischen Euro und Dollar, sondern auch die grundsätzliche Faszination der Nationalparks und Landschaften, Städte und Freizeitangebote ließen viele Deutsche ihren Traum von „einmal nach Nordamerika“ leben. 

Reisedauer: Urlaubsdauer erreicht neuen Tiefpunkt

1980 verreisten die Bundesbürger 18,2 Tage im Durchschnitt. 1990 waren es 16,3 Tage und im Jahr 2000 immerhin noch 14,8 Tage. Aktuell bleiben die Gäste lediglich 12,1 Tage vor Ort. „Aus den schönsten Wochen des Jahres sind zunehmend die schönsten Tage des Jahres geworden. Viele Bundesbürger begnügen sich mit einem kürzeren Aufenthalt, Hauptsache sie sind überhaupt noch unterwegs“, so Stiftungsleiter Reinhardt.

Weiterhin Bestand hatte in der vergangenen Reisesaison die Gleichung: Je weiter, desto länger. So blieben die Gäste in den innerdeutschen Feriengebieten weniger als zehn Tage – wobei sie an den Küsten länger verweilten als im Süden der Republik. Innerhalb Europas dauerte ein Urlaub knapp 13 Tage, allerdings mit großen Abweichungen: zwischen Österreich (9,8 Tage) und Griechenland (16,1 Tage) lag fast eine Woche. Die Fernreise war nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich eine Reise in eine andere Welt: Durchschnittlich mehr als zwei Wochen blieben die Reisenden vor Ort.

Reisekosten: 88 EUR pro Tag und Person

Die Bundesbürger ließen sich ihre Urlaubsreise 2013 durchschnittlich 1.062 EUR pro Person kosten. In dieser Summe waren – neben den Reise- und Unterkunftskosten – auch alle Nebenkosten enthalten: von Souvenirs über Eintritte bis hin zum Eis für die Kinder oder dem Trinkgeld für den Kellner. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierten sich die Gesamtausgaben leicht (um 31 EUR), was sich mit der grundsätzlich ansteigenden Reiseintensität erklären lässt. Ein Urlaubstag in Europa war mit 86 EUR 15 Prozent günstiger als ein Tag in Deutschland (75 EUR). Noch deutlich preisintensiver waren Fernreisen: Bei Tageskosten von 120 EUR verwundert es nicht, dass sich nur wenige Deutsche diesen Luxus leisteten. 

Reiseprognose 2014: Fast die Hälfte sitzt schon auf gepackten Koffern

Die Vorfreude auf die Reisesaison 2014 ist hoch. 45 Prozent, und damit zwei Prozentpunkte mehr als vor zwölf Monaten, haben fest vor, dieses Jahr zu verreisen. Fast jeder achte Bundesbürger plant sogar, mehrmals wegzufahren. Allerdings ist sich auch noch mehr als ein Drittel der Deutschen unsicher, ob sie in diesem Jahr überhaupt verreisen werden. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt jedoch, dass von diesen wenigstens zehn Prozent einen Urlaub machen werden. Insgesamt kann daher mit einer erneut steigenden Reiseintensität gerechnet werden. Trotz aller Unsicherheit und vorhandenem Krisenbewusstsein wird auch 2014 die Mehrheit der Bevölkerung nicht auf Urlaub verzichten wollen.

Reiseziele 2014: Spanien und Italien können Zuwächse erwarten.

Fast jeder dritte Deutsche mit festen Reiseabsichten weiß noch nicht, wohin es ihn dieses Jahr führen wird. Parallel mit dem Alter fällt hierbei die Unentschlossenheit. Während die älteren Bundesbürger sich schon jetzt mit den Angeboten und Highlights vor Ort beschäftigen und dementsprechend die Vorfreude genießen, wartet die junge Generation lieber auf das richtige Angebot, um dann spontan zu entscheiden, wohin es in diesem Jahr gehen soll. 

Sicher ist schon jetzt: Auch 2014 wird Deutschland das – mit Abstand – beliebteste Reiseziel der Bundesbürger bleiben. Trotz Sonnengarantie in Spanien oder Griechenland, Traumstränden in der Türkei oder Kroatien, Exotik in der Südsee oder Asien, plant mehr als jeder Vierte seinen Urlaub im eigenen Land. Allerdings scheint der vorläufige Höhepunkt erreicht, und die große Steigerungsrate ist vorbei, vielmehr zeichnet sich eine Stagnation auf hohem Niveau ab.

Bei den europäischen Zielen wird sich die Vorherrschaft Spaniens fortsetzen und kann sogar ausgebaut werden. Fast jeder Zehnte ist sich schon jetzt sicher, spanische Strände und Städte zu besuchen. Aber auch Italien steht vor einem Comeback und darf auf Zuwächse hoffen. Etwas zurückhaltender ist dagegen derzeit die Situation für die türkischen Ferienziele – hier haben die negativen Berichterstattungen in den vergangenen Monaten für Unsicherheit gesorgt. Dies kann und wird sich aber im Laufe des Jahres wieder ändern, und die Türkei wird ihren Platz im Spitzentrio verteidigen können. Konstante Gästezahlen dürfen auch Frankreich, Skandinavien und Österreich erwarten. Zuwächse können in 2014 den griechischen Ferienzielen in Aussicht gestellt werden: Langsam aber sicher werden die deutschen Touristen zu einem ihrer liebsten Reiseziele zurückkehren.

Technische Daten der 30. Deutschen Tourismusanalyse. Anzahl und Repräsentanz der Befragten: 4.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland, Befragungszeitraum: Januar 2014, Befragungsinstitut: GfK Marktforschung/Nürnberg

Elke Backert ReiseTravelEin Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Elke Backert.

Unsere Autorin ist freie Reisejournalistin und lebt in Hamburg. www.elkebackert.de

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