Tim Westermann

Jeder kann in seinem Mailprogramm einen Abwesenheitsassistenten aktivieren

Ganz oder gar nicht: E-Mails sind praktisch, können zuweilen aber auch ein Klotz am Bein sein. Dann nämlich, wenn man im Urlaub eher nach Entspannung sucht, während sich das Postfach füllt. Was waren das doch früher für ruhige Zeiten, als es nur Telefone fürs Festnetz und Fernschreiber gab. Der Spruch: „Ich bin dann mal weg“ war seinerzeit noch gelebte alltägliche Realität. Und jeder hat es akzeptiert.

Einfach mal weg sein – heutzutage ist das ein belächelter Mythos für Ewiggestrige. Die Netze sind überall; E-Mails erreichen einen immer, egal wann, egal wo. Doch man kann sich selbst dagegen wehren, wenn man in der Lage ist, den modernen Mythos von der ständigen Erreichbarkeit zu überwinden. 
Dafür gibt es heute Hilfe – den Abwesenheits-Assistenten. Das ist kein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut, sondern ein weiterer elektronischer „Helfer“, der seinen Meister vor E-Mails in den Urlaub bewahren oder dem Absender zumindest mitteilen soll, das der Adressat nicht erreichbar und vielleicht nicht einmal geneigt ist, die Mail zu bearbeiten, wenn die Abwesenheit endet.
Jeder kann in seinem Mailprogramm so einen Abwesenheitsassistenten für sich selbst aktivieren. Doch jetzt mischen sich auch Unternehmen in die Urlaubskorrespondenz ein. Die wollen verhindern, dass Mails die Erholung bedrohen. Bei Daimler zum Beispiel wurde dieser Tage das Konzept „Mail on Holiday“ - noch so eine anglizistische Formel, gepriesen. Hier wird jetzt der Personalchef zum Abwesenheits-Assistenten, denn dessen Programm löscht alle eingehenden Mails. Doch es steht jedem frei, diese Funktion nicht zu aktivieren. Ein schöner Versuch. Letztlich liegt es also wieder am Mitarbeiter, sich zu entscheiden, wie schon ohne „Mail on Holiday“.
Ein solches Angebot von oben nimmt den Druck in allzu vielen Fällen nur scheinbar. Das schlechte Gewissen und das Wissen, nach dem Urlaub alles nachholen zu müssen, bleibt ebenso wie das Gefühl von aktuellen Entwicklungen ausgeschlossen zu sein. So wird aus dem großzügigen „jeder nach seiner Facon“ zwar eine neue Art des Drucks auf den Mitarbeiter, für das Unternehmen aber auf jeden Fall ein Sympathie heischendes Nachrichtenthema fürs Sommerloch.
Bei Volkswagen ist das ganz anders. Hier schreibt der Betriebsrat vor, dass die Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten am Tag keine Mails bearbeiten dürfen. Sie können sich nicht dagegen wehren, denn die Geräte sind entsprechend programmiert. Erholung ist also garantiert oder schlägt auch hier die Furcht zu, ausgegrenzt zu werden? 
ReiseTravel Fact: Das eine Unternehmen beugt sich dem Betriebsrat und ordnet an, das andere bietet die Möglichkeit. Welcher Weg nun der Richtige ist, können die Mitarbeiter bei Volkswagen nicht für sich selbst entscheiden. Aber jeder andere kennt seinen Mail-Assistenten und damit autonom in der Frage, ob er sich selbst im Urlaub ausschalten oder erreichbar sein will, auch beim Daimler.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Tim Westermann.

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