München

Sicherheit ist für die Bürger wichtig! Bietet Deutschland Sicherheit?

Oder wie viel American Lifestyle kann der deutsche Bürger ertragen, wenn es um seine Sicherheit geht? Wie wir wissen, ist Vorbeugen besser als Nachsorgen. Das gilt nicht nur für die medizinischen Bereiche im Leben, sondern auch für die verschiedenen Spektren der Kriminalität. Während mittlerweile die Vorsorge um die Gesundheit fest in den Köpfen der Menschen verankert ist, tritt sie in Sachen Kriminalität häufig erst ins Bewusstsein, wenn der Zeitpunkt der Prävention schon nicht mehr gegeben ist. Umso wichtiger ist es, unsere Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was die Gesellschaft und „Vater Staat“ tun können, um Kriminalität bereits im Anfangsstadion abzuwenden.

Zum Abschluss des Deutschen Präventionstages in München forderte der Deutsche Präventionstag die Politik nachdrücklich auf, an dem im Grundgesetz verankerten Sozialstaatsprinzip festzuhalten. Kriminalprävention könne und dürfe Sozialpolitik nicht ersetzen. Unter dem Motto „Sicher leben in Stadt und Land“ fand im Messegelände in München der zweitägige Deutsche Präventionstag statt. Er wird seit 1995 in jährlich wechselnden Städten abgehalten und bildet den europaweit größte Kongress in Sachen Kriminalität zum Thema Verbrechen vorbeugen. Erich Marks, Geschäftsführer des Deutschen Präventionstages, zog in der Abschlussveranstaltung Bilanz: „Deutlicher als bislang sind wir aufgefordert, uns über unsere Verständnisse, Haltungen und die Messbarkeit wirksamen präventiven Handelns zu verständigen. Denn: Ein selbstbestimmtes, glückliches Leben nachfolgender Generationen ist das Generalziel allen präventiven Handelns.“

Ein selbstbestimmtes, glückliches Leben ist für diejenigen nicht möglich, die tagtäglich um ihre minimalen existenziellen Bedürfnisse bangen müssen. Wie eine Motte die ins Licht fliegt, nähert sich unser Staat amerikanischen Verhältnissen. In Gegenden, in denen Armut und Hilflosigkeit den Alltag der Menschen prägen, verlieren diese den Bezug zu Moral und Ethik. Wer nichts zu verlieren hat, riskiert eben leicht alles. Fördern wir soziale Kluft, so fördern wir automatisch die Kriminalität.

Laut einer Studie der OECD ist in Deutschland die Einkommensungleichheit seit 1990 erheblich stärker gewachsen als in den meisten anderen OECD-Staaten. Eine Milchmädchenrechnung zu glauben, dass Unzufriedenheit der Menschen durch verstärkte Kontrollen im Zaum gehalten werden kann. Kriminalpolitik ist kein Ersatz für fehlende soziale Strukturen.

Fakt ist, dass das Sicherheitsempfinden der Bürger einen großen Anteil am täglichen „Savoir vivre“ innehat und ein gerechter Staat zur inneren Sicherheit beiträgt. Wie wichtig das Umfeld ist, betonte auch der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, SPD in seiner Eröffnungsrede. Das Schaffen zufriedenstellender Wohnumgebung kann zu einem positiven Klima beitragen und Kriminalität reduzieren. Ude betonte auch, wie wichtig es ist, Raum zur Entfaltung zur Verfügung zu stellen. „Wer den jungen Menschen nichts anbietet, braucht sich nicht wundern, wenn sie auf dumme Gedanken kommen“, so Ude. Dies gelte nicht nur für die großen Orte, sondern auch für die kleinen. Ein Punkt in dem er sich mit dem Bayer. Staatsminister des Inneren, Joachim Herrmann, CSU einig ist. Dieser verwies auf die 64 Prozent Aufklärungsrate in Bayern – dennoch, so Herrmann „jede Straftat ist eine zu viel“.

Gerade Kriminalitätsprävention ist ein in der Bevölkerung häufig missverstandener Begriff. Während die Vorbeugung an sich ein breit gefächertes Gebiet umfasst, ist die Bezeichnung „Kriminalitätsprävention“ hingegen sehr eng zu verstehen. So beschreiben es auch der Deutsche Präventionstag und seine Partner in der zum Abschluss der Konferenz abgegebenen Münchener Erklärung. Nur diejenigen Strategien, Konzepte und Maßnahmen, welche tatsächlich direkt oder indirekt die Verhinderung oder Minderung von Kriminalität zum Ziel haben, dürften als „kriminalpräventiv“ bezeichnet werden.  

Die Münchener Erklärung basiert auf dem Gutachten von Frau Dr. Wiebke Steffen „Sicherheit als Grundbedürfnis der Menschen und staatliche Aufgabe“. Mit Berücksichtigung dessen gaben der Deutsche Präventionstag und seine Veranstaltungspartner DBH-Bildungswerk, Freistaat Bayern, Landeshauptstadt München, Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK), Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention und WEISSER RING e.V. ihr Statement ab.

Sicher leben in Stadt und Land“ – das bedeutet weit mehr als ein Leben in äußerer und innerer Sicherheit. Von gleich hohem Wert ist ein Leben in sozialer und wirtschaftlicher Sicherheit. Dazu gehört auch in gewissem Maße die Verlässlichkeit und Planbarkeit des eigenen Lebens. Das ist jedoch in modernen Gesellschaften nicht mehr selbstverständlich. Grundlegende gesellschaftliche Veränderungen bringen Chancen, bergen aber auch Risiken. Soziale Sicherheit und eine stabile Lebenslage sind ein elementares menschliches Bedürfnis, beides kann durch soziale Gerechtigkeit hergestellt werden. So fordert der Deutsche Präventionstag die Politik nachdrücklich auf, weiterhin an dem im Grundgesetz verankerten Sozialstaatsprinzip festzuhalten. Soziale Sicherheit und innere Sicherheit gehen Hand in Hand. Keine Kriminalpolitik anstelle von Sozialpolitik.

Deutscher Präventionstag, Am Waterlooplatz 5 A, D-30169 Hannover, Tel. +49 (0) 511 235 4949, dpt@praeventionstag.de - www.praeventionstag.de  

Sabine Erl ReiseTravelEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl. 

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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