Berlin

Weder Regen noch Sonnenschein: Der Wagen fährt, manchmal stottert der Motor

Eingetrübte Konjunkturaussichten: Das „Institut der deutschen Wirtschaft Köln“ stellte seine Konjunkturprognosen für den Herbst 2014 vor. Der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Michael Hüther, sprach zwar von einem kleinen „zu erwarteten Aufschwung für das Frühjahr 2015, es handelt sich jedoch um ein Ja – aber.“ Vorsicht sei vor allen Dingen geboten bei der Investitionstätigkeit. Das hat viele Ursachen. Die aktuelle Krim Krise trägt dazu genauso bei wie „die schlimme Lage im Nahen und Mittleren Osten.“ Die sogenannten Governance Staaten „werfen auch Schatten auf die wirtschaftlichen Beziehungen.“ Zu diesen Ländern zählen beispielsweise Indien, Indonesien und Brasilien. Prof. Hüther sprach auch ein sehr großes Problem für diese Staaten an: Die dort herrschende Korruption. Sie sorge dafür, dass es sich westeuropäische Firmen mehrfach überlegen, in diesen Ländern in dem gleichen Maßstabe zu investieren wie beispielsweise in juristisch stabilen Ländern wie USA, Kanada und Japan.

Es gibt aber auch genügend Stolpersteine, die im europäischen Haus der EU auf der Straße liegen. Italien schwächelt momentan, Frankreich noch viel mehr. Das liege u. a. daran, dass notwendige Strukturreformen keine ausreichende Unterstützung gefunden haben. „Das nationale Gefüge einiger Länder erlebt Zerreißproben.“ Es ist nicht zu einem Abfall von Schottland vom britischen Königshaus gekommen, es stehen aber noch Abstimmungen in anderen EU Staaten an, so wollen die Katalanen sich von Spanien loslösen. „All dies schafft für Investoren kein vertrauenswürdiges und stabiles Umfeld.“ Es sind aber nicht nur externe Hindernisse, die ausgemacht worden sind, es gibt auch genügend interne. Der Direktor des Kölner Instituts sieht im eigenen Land Stolperfallen, die einem großen Konjunkturaufschwung im Wege stehen. Es ist z. B. die „Bürokratisierungswut, die alles und jedes meint, regeln zu müssen.“ Dazu zählen „Anti Stress Regulierungen und Frauenquoten.“ Unsere Wirtschaft ist „sehr stark mittelständisch strukturiert, da sind solche Verordnungen Sand im Getriebe.“

Hat ein Bauunternehmen beispielsweise 25 Mitarbeiter, davon 23 Männer, weil Berufe wie Maurer, Bauhelfer, Dachdecker, Maler usw. typische Männerberufe sind und die 2 Damen in dem Betrieb arbeiten im Sekretariat, wie soll einer Frau eine Führungsaufgabe vor Ort zukommen? Der Firmenchef kann eine Mitarbeiterin zwar zur Oberbuchhalterin ernennen, aber für die Tätigkeit als Polier oder Leiterin einer Baukolonne eignen sich die beiden Damen beim besten Willen nicht. Sie haben keinerlei Kenntnisse von Pinsel, Ziegelstein, Wasserwaage und Maurerkelle.

Ein anderes Problem: Soll Deutschland nicht auf unbestimmte Zeit über seine Verhältnisse leben, „muss endlich Schluss sein mit weiteren Frühverrentungen.“ Das kann sich unsere Volkswirtschaft einfach nicht leisten. Prof. Hüther sieht es auch nicht als erreichbar an, dass alle Bundesländer zum vereinbarten Zeitraum 2020 schuldenfrei sind. Diese Befürchtung hegt er besonders beim Einwohner größten Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, Nordrhein Westfalen. Die dortigen politische Verantwortlichen, allen voran Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, müssten im wahrsten Sinne des Wortes „Kraftakte“ unternehmen, um in 2020 schuldenfrei dastehen zu können. Von der Bundespolitik erwartet der Institutsleiter, bei den Gewerkschaften „der Willkür ein Ende zu setzen.“ Haben Lokomotivführer, Schaffner, Weichensteller und Stellwerkmitarbeiter bei der Eisenbahn ihre eigenen Gewerkschaften und nur eine davon streikt, ist der ganze Bahnbetrieb lahmgelegt.

Konkret werden folgende Zahlen prognostiziert: Ende 2014 ist ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent hierzulande zu erwarten. Mit durchschnittlich 2,9 Millionen Erwerbslosen hat Deutschland 2015 zu rechnen. Bei den Importen geht man von einem Plus von 4 Prozent aus, bei den Exporten wird es ein Plus von 2,5 Prozent geben. Ende 2014 wird die Weltproduktion um 3,5 Prozent gestiegen sein, Ende 2015 sollen es sogar 3,75 Prozent sein. „Der reale Welthandel wird 2014 um 3,25 Prozent und 2015 um 4,5 Prozent expandieren.“  Bei 1,25 bis 1,30 US Dollar wird sich je 1 Euro einpendeln. Das Fazit des „Institut der deutschen Wirtschaft Köln“ lautete so: Der Wagen fährt, an und für sich problemlos, manchmal aber stottert der Motor. Ein Meteorologe wird davon sprechen: Eingetrübte Aussichten. Es ist mit durchwachsenem Wetter zu rechnen, weder starker Regen noch eine Hitzeperiode sind im Anmarsch. www.iwkoeln.de

ReiseTravel Fact: Der Ausblick des Instituts umfasst immer 1,5 Jahre. Was danach noch so alles an konjunkturellen Dellen kommen kann, ist nicht vorhersehbar. Das machte der Wirtschaftsexperte Hüther am Benzin deutlich. Trotz der Unruhen in den Ölförderländern des Nahen und Mittleren Ostens und der Krim Krise, angemerkt sei, Russland ist ein großer Erdölexporteur, ist bisher der Ölpreis noch nicht angestiegen. Hier liegt klar die Betonung auf bisher. Schon bald kann sich der Benzinpreis auch drastisch erhöhen, auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich ist. Tatsache ist für unsere exportabhängige deutsche Wirtschaft: Niest irgendwo einer auf der Welt, sei es Syrien, Ukraine, Frankreich oder wer auch immer, kann sich auch der Patient Deutschland an diesem Schnupfen anstecken.

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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