Berlin

Entscheider der Reiseindustrie sehen Staat in der Pflicht

Höhere Prioritäten für den Hochwasserschutz: Angesichts der wachsenden Bedeutung des Tourismus für den Standort Deutschland fordert die deutsche Reiseindustrie ein stärkeres Eingreifen des Bundes bei den Maßnahmen zum Schutz gegen Hochwasser und Überschwemmungen. Auch wenn die neuerliche Jahrhundertflut im Juni 2013 nur einige Regionen mit touristischer Infrastruktur vornehmlich im Süden und Osten Deutschlands betroffen hat, so müsse die Bundesregierung jetzt nach Auffassung von Entscheidern der deutschen Reiseindustrie an verschiedenen Stellen handeln.

Imagekampagne im Ausland angeregt: Nach einer aktuell veröffentlichten Umfrage des Travel Industry Club unter Entscheidern der Reiseindustrie gehen 80 Prozent der Befragten davon aus, dass das Hochwasser den betroffenen Regionen die Bilanz für den Reisesommer 2013 verhageln wird. Und 51 Prozent sind der Meinung, dass das Hochwasser auch in der Gesamtbilanz des Reiselandes Deutschland negative Spuren hinterlassen wird. Nur 31 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich internationale Reisende durch die Berichterstattung verunsichert fühlen und eventuell einen Bogen um Deutschland machen könnten.

Dagegen sind 64 Prozent der Ansicht, dass das Hochwasser und seine Folgen in die Reiseentscheidung bei Urlaubern aus dem eigenen Land einfließen werden. Für die betroffenen Regionen sind die Manager eher skeptisch. Nur zwölf Prozent sind der Ansicht, dass diese Regionen den wirtschaftlichen Verlust noch in diesem Jahr kompensieren können.

Für 80 Prozent der Befragten ist es ein Beleg für mangelhafte Flutschutz-Politik, die im Wesentlichen auf die "Kleinstaaterei" in den verschiedenen Bundesländern zurückgeht, dass sich nur elf Jahre nach der verheerenden Flut von 2002 eine erneute "Jahrhundertflut" ereignen konnte. Hier sei der Bund gefragt, ein einheitliches, länderübergreifendes Konzept durchzusetzen.

82 Prozent der Ende Juni 2013 befragten Manager sind bei der vom Beratungsunternehmen Trendscope im Auftrag des Travel Industry Club erstellten Umfrage zudem der Ansicht, dass der Staat angesichts der wachsenden Bedeutung des Tourismus betroffenen Städten, Gemeinden und Unternehmen aus der Reiseindustrie besondere Unterstützung zur Wiederherstellung der touristischen Infrastruktur zukommen lassen sollte. Und 78 Prozent der befragten 179 Manager plädieren dafür, den Bildern von der Flut im Ausland jetzt positive Bilder aus dem Reiseland Deutschland entgegenzusetzen.

Keine Illusionen machen sich die Entscheider über künftige Naturkatastrophen in Europa. 84 Prozent gehen davon aus, dass auch Länder in Nord- und Westeuropa künftig verstärkt von Naturkatastrophen heimgesucht werden. 59 Prozent glauben, dass der Klimawandel und seine Auswirkungen zunehmend ein Faktor bei der Urlaubs-Entscheidung sein wird. Allerdings sind auch 59 Prozent der Befragten der Ansicht, dass eine Flut wie aus Juni 2013 eine Ausnahmeerscheinung ist und als Argument bei der Urlaubsentscheidung nicht taugt.

Marcus Scholz, Vize-Präsident des Travel Industry Club: "Die wachsende Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus für den Standort Deutschland verankert sich zunehmend im Bewusstsein. Wenn ein Staat die Tourismusbranche für sich entdeckt und zur Leitindustrie erklärt, dann wachsen daraus auch entsprechende Verpflichtungen. Es wäre zweifellos angebracht, wenn die Bedürfnisse der deutschen Reiseindustrie stärker auch in diese Thematik einfließen würde." www.travelindustryclub.de

Von Helen Bardtenschlager

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