Goslar

Irreführung im Internet?

Vergleichportale im Internet 

Geschäftsmodelle zwischen seriöser Verbraucherberatung und verdeckten Maklergeschäften. Jetzt wurde eine Studie des Instituts für Versicherungswissenschaften, Leipzig GmbH Gesellschaft zur Förderung von Forschung und Praxis zum Thema „Internetvergleichsportale – Empirische Studie zur Transparenz und zu den Geschäftsmodellen“, vorgestellt. Erarbeitet von Professor Dr. Fred Wagner. (Autoren: Prof. Dr. Fred Wagner, Dr. Florian Elert, Sabine Schmidt)

Zielsetzung der Studie: Ziel der Studie war es, einerseits zu untersuchen, welche Internetvergleichsportale die günstigsten Kfz-Versicherungstarife anbieten. Andererseits sollte analysiert werden, in welchem Umfang die angezeigten Versicherungstarife vordefinierte Kundenwünsche berücksichtigen. Zudem sollte die Untersuchung überprüfen, ob ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der Preishöhe der angebotenen Tarife und dem Grad der Kundenwunscherfüllung besteht.<//span>

Vergleichportale im Internet

Vergleichportale im Internet

„Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Preis- und Leistungsorientierung“

Prof. Dr. Fred Wagner (2.v.r) stellte die Studie: Vergleichportale im Internet in Köln vor (Foto Walter Schmidt – NOVUM)

Forschungs- und Erhebungsdesign: Für die empirische Erhebung wurden in einem ersten Schritt 15 fiktive Versicherungsnehmer konzipiert. Hierzu wurde auf verschiedene Datenquellen, wie z. B. das Statistische Bundesamt, das Kraftfahrtbundesamt und den Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, zurückgegriffen. Basierend auf diesen Datenquellen und unter Rückgriff auf Plausibilitätsannahmen wurden die für die Erhebung erforderlichen Kundenmerkmale und -wünsche definiert. Um sicherzustellen, dass sämtliche Merkmale, die von den jeweiligen Portalen abgefragt werden, für jeden Kunden vordefiniert sind, umfassten die Datensätze bis zu 100 Angaben je Kunde.

IfVW – Institut für Versicherungswissenschaften, Leipzig GmbH Gesellschaft zur Förderung von Forschung und Praxis, Gottschedstraße 12, D-04109 Leipzig. 

Irreführung im Internet 

Wie objektiv sind Preisvergleiche im Netz: Expertenrunde diskutierte über Internet-Kfz-Vergleichsportale. HUK24-Vorstand Detlef Frank bietet Kunden bei Abschluss an, die Kosten für einen Kfz-Versicherungsvergleich bei der Stiftung Warentest (16 Euro) zu erstatten.
Auch Modell für andere Versicherer: Was steckt hinter der zunehmenden Bedeutung von Online-Preisvergleichen für die Kfz-Versicherung? Wie transparent, also verbraucherfreundlich sind die Portale? Sind sie gut für den Verbraucher oder nur gut fürs Geschäft? Und können diese Portale unabhängige Tests wie die von Finanztest ersetzen? Diesen Fragen stellten sich Björn Weikert, im Vorstand des Vergleichs-Portals CHECK24 für den Geschäftsbereich Kfz-Versicherung zuständig, Detlef Frank, im Vorstand der HUK24 für die Ressorts Vertrieb und Marketing zuständig, Manfred Poweleit, Herausgeber und Chefredakteur des map-reports, Thorsten Rudnik, im Vorstand des Bundes der Versicherten (BDV) und Professor Dr. Fred Wagner, Professor für Versicherungsbetriebslehre an der Universität Leipzig, am 27. Januar am Rande des Verkehrsgerichtstages in Goslar.

Es gehe CHECK24 um „konsequente Transparenz“ für den Verbraucher, erklärte Björn Weikert. Allerdings gebe es keinen Vorabcheck, ob ein sehr gutes Angebot von einem potenziellen Pleitekandidaten stamme – wie etwa der insolventen INEAS. Es sei nicht die Aufgabe von CHECK24 „die Finanzkraft“ von Assekuranzen zu bewerten, so der Vergleichsportal-Vorstand. Das könnten andere Institutionen, wie etwa die BaFin, besser. Zur Höhe der Provisionen, die seitens der Versicherungen für einen Abschluss via CHECK24 fällig werden, wollte Weikert nichts sagen. Allerdings: „Wir sind Makler.“ Nach Schätzungen von Prof. Wagner werden pro Abschluss bis zu 90 Euro fällig. Und die von ihm untersuchten Online-Portale listen zwischen „20 und 70 Kfz-Versicherer“. Es sind aber rund 110 Gesellschaften am Markt. Weikert räumt ein, dass nicht alle Versicherungen auf CHECK24 vertreten sind.

Laut Verbraucherschützer Thorsten Rudnik fehlen bei dem Vergleichsportal „große Gesellschaften“ – wie etwa die Ergo. Rudnik weiter zu CHECK24 und anderen Vergleichsportalen: „Das sind Makler, die verdienen wollen. Man darf die Provisionsinteressen nicht vergessen. Die Kosten trägt letztendlich der Kunde“, so der BDV-Vorstand. Rudnik auf die Frage, welches Portal der Bund der Versicherten empfehle: „Wir empfehlen wegen zu vieler Schwächen und Intransparenz kein Portal. Mit unserem eigenen Vergleichsrechner waren wir immer billiger als die Ergebnisse von CHECK24.“ Rudnik: „Verbraucher wollen bei den Portalen eine optimale Auswahl haben, aber die bekommen sie nicht.“ Kritik gab es auch, weil die überwiegende Anzahl der Portale nur einen reinen Preisvergleich (Ranking) anbietet und nicht auch einen Vergleich der Versicherungs-Bedingungen (Rating). Letzteres ist aber für den Verbraucher entscheidend. Der BDV hatte schon zuvor Fälle registriert, bei denen die errechneten Beiträge im Portal von den tatsächlichen später stark abweichen. Das waren Unterschiede von bis zu 10 Prozent. Für einen erneuten Versicherungswechsel war es bei Eintreffen der Rechnung oft zu spät.

„Kleines Weinkollegs“ zu aktuellen Fragen der Versicherungswirtschaft Goslar Goslar Institut

Journalistin Jutta Sein (Foto Walter Schmidt NOVUM Fotoagentur)

Eine der Assekuranzen, die bei CHECK24 nicht mitmacht, ist die HUK-COBURG. Detlef Frank, HUK24, erklärt, warum. Ziel des Unternehmens sei es, besonders „preisgünstige Angebote“ machen zu können. „Wir sind ein sehr preisgünstiges Unternehmen und wollen das auch bleiben“, so Frank. „Höhere Vertriebskosten schlagen sich auf den Preis nieder.“ Deshalb achtet der Versicherer auf die Kosten, die bei den Vertriebskanälen anfallen und verzichtet unter anderem deswegen auf CHECK24. Ferner ist die Bestandsfestigkeit der über einen bestimmten Vertriebsweg generierten Verträge wichtig. Frank: „Wie lang bleibt der Vertrag?“ Der HUK geht es um möglichst umfassende und unbeeinflusste Vergleiche in den Portalen. Zu den Plänen der HUK24 für ein eigenes Vergleichsportal, erklärte Frank, es ginge dabei gegen die „Tendenz zur Monopolbildung“ und einen „echten Wettbewerb“. Sonst bestehe die Gefahr, dass „der Kunde nicht optimal beraten wird“ und die Kosten für die Vermittlungsdienste der Portale überhand nehmen. Zu den Versicherern, die sich diesem Portal anschließen wollen, sagte der HUK24-Vorstand, es handele sich um Unternehmen, die an Transparenz interessiert sind und hohe Provisionen vermeiden wollen. Grundsätzlich könnten sich auf der Plattform alle Versicherer listen lassen, so Frank. Richtschnur sei dabei die Qualität des Angebots und nicht die Interessen von Maklern.

Bis dahin gilt schon ein anderes Angebot der HUK24. „Die 16 Euro für einen Kfz-Versicherungsvergleich bei der Stiftung Warentest erstatten wir dem Kunden, wenn er bei uns abschließt.“ Er sähe es gern, wenn sich andere Versicherer diesem Modell anschließen. Gut für Kfz-Versicherungsnehmer: Sie bekommen so ein seriöses Angebot, ohne auf die Vergleichsportale zugreifen zu müssen und zahlen keinen Cent.

Manfred Poweleit vom map-report warnte die Verbraucher angesichts des Geschäftsmodells von Vergleichsportalen wie CHECK24 vor ausschließlich preisfixierten Abschlüssen. „Da kann es passieren, dass man Versicherungsschutz einkauft und nicht weiß, ob das Unternehmen überhaupt die nächsten sechs Monate übersteht.“ Man sollte „keine billige Autopolice kaufen, wenn man nicht weiß, ob der potenzielle Konkursverwalter des Autoversicherers noch genug Geld in der Kasse hat, um den Autofahrern mitzuteilen, dass ihr Versicherungsschutz wegen der Versichererpleite erloschen ist“, so Poweleit. Die Finanzstärke eines Unternehmens sei wichtig.

Prof. Fred Wagner von der Universität Leipzig antwortete auf die Frage, wie viele Abschlüsse über Online-Portale laufen, dass keine genauen Angaben möglich seien, weil die Portale auf „Publizität häufig verzichten“. Nach Schätzungen sollen bis zu 650,000 Verträge in der Kfz-Versicherung auf diesem Weg abgeschlossen werden. Für die Zukunft erwartet er, dass die Portale an Relevanz zunehmen.

Die Expertenrunde, moderiert von Carola Ferstl (n-tv), setzte sich auf Einladung des Goslar Instituts im Veranstaltungsbereich des Weltkulturerbes Rammelsberg mit diesem Thema auseinander. Bereits zum sechsten Mal fand dieser Meinungsaustausch im Rahmen des „Kleinen Weinkollegs“ über aktuelle Fragen der Versicherungswirtschaft anlässlich des Verkehrsgerichtstages statt.
GOSLAR INSTITUT der Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V. - Eine Initiative der HUK-COBURG -
Breite Straße 13, D-38640 Goslar - www.goslar-institut.de

Hier geht es zur TV-Sendung - Klick

 

Von Monja Faller

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