Dublin

Seit dem Winterflugplan 2018/2019, der im Rahmen der ITB Berlin (Internationale Tourismusbörse) präsentiert wurde, gibt es ein weiteres Versprechen: Die Ryanair-Flüge sollen zu 90 Prozent pünktlich sein!

Fliegen: Das ist schon ein unglaublich klingendes Angebot, in einer Pressemitteilung sogar „Versprechen“ genannt: Sollte ein Interessent auf irgendeiner Flugstrecke ein billigeres Angebot als das von Ryanair bekommen, will diese irische Fluggesellschaft die Differenz erstatten und zudem noch fünf Euro Prämie gewähren.

Ryanair, daran besteht kein Zweifel, fliegt mit Ultraschall der einstigen Air Berlin hinterher, die wegen Insolvenz 2017 den Betrieb einstellen musste. Voller Stolz auch konnte deshalb Marketing-Boss Kenny Jacobs in Berlin verkünden: „Mit 24 neuen Strecken und zusätzlichen Flügen auf zehn bereits bestehenden Routen werden wir 19,7 Millionen Passagiere über 16 deutsche Flughäfen befördern und in Deutschland somit um 13 Prozent wachsen“.

Kleinere Airports sind bei Ryanair, so scheint es, besonders beliebt. So etwa gibt es von Baden-Baden aus vier neue Verbindungen (nach Rom-Ciampino, Trapani, Cagliari und Marrakesch) , ebenso viele von Memmingen aus (Brindisi, Edinburgh, Marrakesch, Sofia). Sogar fünf neue Linienflüge gibt es ab Düsseldorf-Weeze (Agadir, Bromberg, Cagliari, Porto, Palma). Düsseldorf-Weeze: Dabei handelt es sich um einen ehemaligen britischen Militärflugplatz, etwa 70 Kilometer von der NRW-Landeshauptstadt entfernt, gelegen im niederrheinischen Gebiet,nahe Grenze zu Holland.

Neben Frankfurt/Main und Frankfurt/Hahn weist der Ryanair-Winterflugplan 2018/2019 auch neue Verbindungen von Hamburg und Nürnberg aus. Berlin-Schönefeld erhält drei neue Routen, nach Edinburgh, Farö und Marrakesch.

Berlin: Im Gegensatz zu nicht wenigen anderen Fluggesellschaften, die entweder aus politischen Rücksichten oder aus Feigheit kein entsprechendes öffentliches Bekenntnis ablegen, spricht sich Ryanair eindeutig für die Initiative „Berlin braucht Tegel“ aus. Der neue Großflughafen BER, der frühestens (!!!) 2020 eröffnet werden dürfte, hätte nur eine Gesamtkapazität „von gerade einmal 27 Millionen Passagieren – weniger als Dublin (35 Millionen), eine Stadt, die lediglich ein Drittel der Berliner Bevölkerungszahl hat“. So eine offizielle Ryanair-Pressemitteilung. Darin heißt es weiter: „Mit fast 33 Millionen Passagieren, die bereits 2016 an Berlins Flughäfen Schönefeld und Tegel abgefertigt wurden, wird es in Berlin chronisch an Flughafenkapazität mangeln“. Ryanair allein kommt an seiner Basis Schönefeld auf jährlich fünf bis sechs Millionen Kunden.

Kenny Jacobs, der Marketingboss von Ryanair, wird noch expliziter: „Als Hauptstadt von Deutschland und einer der meistbesuchten Städte Europas benötigt Berlin mehr als nur einen Flughafen. Berlin hinkt anderen europäischen Großstädten wie z. B. London und Paris hinterher, die jeweils mehrere, miteinander konkurrierende Flughäfen mit einer entsprechenden Kapazität von 130 bzw. 110 Millionen haben. Es ist wichtig, dass Berlin nicht davon abgehalten wird, weiter zu wachsen, da mehr Touristen auch mehr Wettbewerb, mehr Passagiere an Flughäfen, dabei niedrigere Gebühren für die Fluggesellschaften und somit günstigere Preise bedeuten. Als am schnellsten wachsende Fluggesellschaft in Berlin sind wir mit unserem Betrieb am Flughafen Berlin-Schönefeld sehr zufrieden . . . die Schließung von Berlin-Tegel würde diesen Wettbewerb verringern, was zu weniger Flügen, höheren Flughafengebühren und letztlich zu höheren Flugpreisen führen wird“.

London übrigens hat sechs Flugplätze, Paris vier.

Ryanair, sogenannter Low Cost Carrier (Billigfluglinie), bedient derzeit täglich etwa 2 000 Strecken in 33 verschiedenen Ländern und fliegt dabei über 200 Flugplätze an. Die Gesellschaft verfügt über 86 europäische Basen und unterhält eine Flotte von 430 Boeing 737-800. Weitere 240 Boeings 737 sind bestellt. Diese Volumina, so Experten, dürfte die Passagierzahl von derzeit rund 131 Millionen auf mehr als 200 Millionen pro Jahr um 2024 erhöhen.

Weltweit gibt es ein Problem, das viele Passagiere ärgert: Immer mehr Fluggäste geben immer weniger Gepäck auf, sondern schleppen es mit an Bord. Zwei Rollkoffer e i n e r Person (und mehr) in der Kabinen-Gepäckablage sind keineswegs mehr die Seltenheit. Das führt zu Verspätungen und Komplikationen beim Ein- wie Ausstieg Dagegen macht Ryanair mobil: Normal-Passagiere dürfen nur ein kleineres Gepäckstück mit an Bord nehmen – alles weitere muss am Gate aufgegeben werden. 20 Kilogramm kosten dabei 25 Euro.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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