Michael Kirchberger

Bald wieder hinaus aufs Land?

Ferienzeit – Coronazeit!? Das anhaltend schöne Wetter hätte unter normalen Umständen Hunderttausende von Campern mit ihren Reisemobilen zu Ausflügen und Urlaubsfahrten gelockt. Das wegen Sars-CoV-2 verhängte Reiseverbot hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, Stell- und Campingplätze sind geschlossen. Die Tourismusverbände, der ADAC und der Branchenverband CIVD suchen nach Auswegen und Möglichkeiten, nach oder trotz der Kontaktsperre Angebote zu schaffen.

Dr. Z. ist sauer. Auf der CMT im Januar hatte er sich nach einem neuen Reisemobil umgesehen und kurz darauf für einen Weinsberg Pepper entschieden. Kaufanreize waren das Doppelbett und der großzügige Sanitärbereich im Heck und natürlich der günstige Preis. Rund 53.000 Euro hat der Oberarzt an einer südhessischen Klinik für den weitgehend voll ausgestatteten Teilintegrierten auf Citroen-Basis bezahlt und ihn Anfang März beim Händler übernommen. Die Jungfernfahrt sollte ins Elsass und das französische Jura führen, das Verbot touristischer Reisen und geschlossene Campingplätze machten dem Weinliebhaber einen Strich durch die Rechnung. Der Pepper steht jungfräulich auf der heimischen Abstellfläche.

Wie dem Mediziner geht es Hunderttausenden von Reisemobilisten, die wegen Kontaktsperre und Tourismusverbot an Haus oder Wohnung gefesselt sind

Die Hersteller von Freizeitfahrzeugen leiden unter der Kaufzurückhaltung und dem Auslieferungsstopp, die Tourismusbranche ist nicht minder hart getroffen. Jetzt aber könnte es bald gute Nachrichten geben. Denn wenngleich sich die Mehrheit der Deutschen für eine Verlängerung der Kontaktsperre ausspricht, bietet gerade der Reisemobil-Tourismus viele Chancen und nur wenige Risiken oder negative Nebenwirkungen, die erste Phase einer vorsichtigen Lockerung der Verbote zu begleiten.
Denn, so die medizinischen und touristischen Experten, diese Tourismusform habe eine maximale Autarkie. Sie ist nicht von Gastronomie und sanitärer Versorgung abhängig, Reisemobile haben ihre eigene Küche und den Toilettenraum mit Dusche in aller Regel an Bord. Reisemobil-Stellplätze sind für die Einhaltung der weiter geltenden Abstands- und Hygieneregeln prädestiniert. Viele von ihnen finden sich auf dem Land und bieten Versorgung mit elektrischer Energie und Wasser. Die Ausfahrt ins Grüne bringt Naturerlebnisse näher, die nach vielen Tagen der Entbehrung eine entschleunigende Wirkung haben dürften. Die Kontakte zu anderen Menschen lassen sich dabei sehr einfach auf ein absolutes Minimum beschränken.

Für eine zumindest teilweise Wiederöffnung geeigneter Stellplätze würden bestimmte Voraussetzungen gelten

Sie dürften aufgrund der notwendigen Kapazitätssteuerung ausschließlich mit Voranmeldung besucht, die einzelnen Parzellen müssten vergrößert werden. So ließe sich die notwendige Distanz zum Nachbarn wahren. Die sanitären Anlagen bleiben, sofern vorhanden, geschlossen.
Campingbusse ohne Toilette schließt das Expertengremium daher aus. Alle Versorgungseinrichtungen wie Elektroanschlüsse und Wasserhähne gilt es, vor und nach jeder Nutzung, zu desinfizieren. Höchstens zwei Camper je Fahrzeug wären erlaubt, mehr nur dann, wenn sie gemeinsam in einem Haushalt leben. Der Aufenthalt im Freien ist nur auf der zugewiesenen Parzelle gestattet, eine Markise darf genutzt werden, ein Vorzelt dagegen nicht. Empfohlen wird darüber hinaus die freiwillige Teilnahme an der Corona-App PPT-PT.
Auf dem Stellplatz gilt es, die Angebote zu reduzieren. Gemeinsam nutzbare Einrichtungen wie Pools oder Spielgeräte bleiben gesperrt, der Frühstücksservice ist zunächst gestrichen. Erlaubt bleibt dagegen der Verkauf/Wechsel von Gasflaschen, da diese für den Betrieb des Reisemobils erforderlich sind.
Der Arbeitskreis Reisemobiltourismus des Caravaning Industrie Verbands setz sich aus Vertretern des ADAC, DTV sowie der Hersteller und Zulieferer zusammen. Er geht zurück auf erste Expertengespräche Anfang der 1980er Jahre in der niederbayerischen Stadt Viechtach, wo 1983 unter der Federführung des damaligen Verkehrsdirektors Ludwig Reiner der erste Reisemobilstellplatz eröffnet wurde.

In Deutschland gibt es heute mehr als 4.000 solcher Einrichtungen unterschiedlichster Größen. Ihnen stehen mehr als 532.000 bei uns zugelassenen Reisemobilen entgegen

Die Urlaubsform hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt, für das Jahr 2018 wurden 15,5 Millionen Übernachtungen sowie 16,5 Millionen Tagesreisen errechnet. Jeder Reisemobil-Urlauber gibt durchschnittlich 50 Euro am Tag aus. Insgesamt nennt die Branche einen Gesamtumsatz von 14 Milliarden Euro, sie umfasst rund 70.000 Arbeitsplätze. www.reisemobil-stellplatz.info

Ein Beitrag für ReiseTravel von Michael Kirchberger.

Sehr geehrte ReiseTravel User. Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu - Bitte Beachten Sie YouTube.ReiseTravel.eu - #MyReiseTravel.eu

ReiseTravel aktuell:

Bad Steben

24 h Frankenwald: Unter dem Motto "24 h Frankenwald erleben“ hatten zahlreiche Akteure, aus der Region zwischen Kronach, Kulmbach und Hof mit...

Magdeburg

Norbert von Xanten: „Zu jedem guten Werk bereit" – mit diesem Wahlspruch hat der Orden der Prämonstratenser das kulturelle,...

Berlin

Das Humboldt Forum öffnete für das Publikum. Den Auftakt bilden sechs Ausstellungen. Vom Schlosskeller bis zum ersten Obergeschoss...

Krakau

Ein Süßschnabel war er. Vor allem liebte er Halva, Sesamriegel und mit Schokolade überzogenes Marzipan. Regelmäßig...

Thessaloniki

Heute: Boutique Hotel Bahar Unterwegs in Europa: Thessaloniki heißt meine Lieblingsstadt im Norden Griechenlands, benannt nach der Schwester...

Leipzig

Erfunden wurde das Gebäck in Form einer Pastete nach dem offiziellen Verbot des Vogelfangs im Stadtgebiet 1876. Vom Mittelalter bis ins 19....

Tokio

Wenn der Stadt Dschungel ruft: Kleinwagen sind nicht mehr unbedingt, was sie einmal waren. Niemand muss sich mehr in Verzicht üben, denn die...

Tokio

Mit Wasserstoff zur Elektromobilität: Auf dem Weg in eine umweltverträgliche Mobilität verlässt Toyota gerne ausgefahrene Routen...

Berlin

Reise oder Geschäftstermin: Für Gelegenheitsurlauber reicht eine solide Grundqualität, die zwischen 50 und 100 Euro kostet....

Spremberg

Spremberg von oben: Bundestagsabgeordnete werden durch Wahlen gewählt. Dr. Klaus-Peter Schulze (MdB) wurde im Wahlkreis 64...

ReiseTravel Suche

nach oben