Günter Meißner

Wir Menschen reisen gern. Vor allem lieben wir die sogenannten Real- Reisen. Aber es gibt bekanntlich auch die Denk-Reisen. Außerdem kreisen wir gerne um unseren eigenen Nabel. Deshalb nennt man das die Nabelschau.

Wir nennen es lieber „unser Spiegelbild", also die Selbstbetrachtung. Menschen beschreiben (begeistert oder auch weniger begeistert) wie gut oder schlecht es ihnen geht. Wir rechnen uns zu den Erstgenannten. Nur manchmal rasten auch wir aus, obwohl wir es eigentlich gar nicht wollen.

Auch wir lieben es, aufzubrechen ins Unbekannte.

Wenn unser Fernweh aber gestillt ist, dann überfällt uns, wenn auch meist unterschwellig, Heimweh. Corona verdammt uns gegenwärtig zu „heimwehen“. Genau da setzen die Denk-Reisen an. Sie sind die Reisen für den Kopf.

Es gibt vielerlei Denkreisen. Es können selbsterlebte Realreisen sein, die mit der Erinnerung in Verbindung stehen.

Reisen der besonderen Art, die jeder anders bezeichnen kann, sind die Denk-Reisen, also virtuelle Reisen. Das können Reisen sein, die man sich vorstellt oder welche, die man schon geplant hat, noch zu unternehmen Wir versuchen mit Ihnen, liebe Leser, auf Denkreise zu gehen, und zwar zu der, die zur Jetztzeit passt.

Die Vorstellung, wir könnten uns zurückziehen, aufs Eigene, also aufs Eigene Ich, uns in der Nach-Corona-Zeit wieder so einzurichten, wie's in der Vor-Corona-Zeit einmal war, lebt in uns allen schlummernd fort.

Was ist denn eigentlich die Corona-Zeit?

Es ist die Zeit der Viren, die es immer schon gegeben hat und auch immer geben wird.

Gegenwärtig haben wir genug damit zu tun, mit den derzeitigen Umständen einigermaßen zurechtzukommen. Und das verlangt uns täglich genug Selbstdisziplin ab. Oder? Jeder auf seinem Platz.

Beginnen wir mit den Denk-Reisen der medizinischen Spezies. Die müssen sich jeden Tag etwas Neues ausdenken, wie schnell man zu klinischen Ergebnissen kommt, auf die, die ganze Welt ungeduldig wartet. Also, das oder die Medikamente, die zur Heilung dieser schlimmen Krankheit beiträgt.

Das Schlüsselproblem dieser Denkreise aber ist die Erfindung eines Impfstoffes, der das Ausbrechen dieser Krankheit flächendeckend verhindern kann.

Der italienische Schriftsteller Paolo Giordano hat ein Buch mit dem Titel „In Zeiten der Ansteckung, ein Essay in 27 Titeln“, geschrieben, das inzwischen bei Rowohlt auch in deutsch herausgekommen ist. Das Buch ist nur eine Momentaufnahme und trotzdem ein Gewinn.

Für Giordano lässt die Pandemie, „diese Form der erweiterten Verantwortung, der sich niemand von uns entziehen kann", die Umrisse der Globalisierung erahnen. Zur Sorge um unsere Gesundheit komme eine Ohnmacht angesichts des Unerklärlichen, das sich mit keiner bisherigen Erfahrung vergleichen lässt. Wörtlich: „Was wir in Zeiten der Ansteckung tun oder lassen, betrifft also nicht nur uns allein. Das will Ich nicht vergessen, auch wenn alles vorbei ist".

Und genau an dieser Stelle beginnen die notwendigen Denkreisen aller Normalbürger, also der nichtmedizinischen Forscher. Unsere Verantwortung besteht darin, unser Immunsystem stabil zu halten. Die Selbstheilung endet nie. Auch nicht, wenn man schwer krank ist. Sie ist das wichtigste biologische Prinzip. Anders ausgedrückt: Selbstheilung ist unser „innerer Arzt, der dem tatsächlichen Arzt zur Seite steht. Nachdenken über das eigene Verhalten ist und bleibt erste Bürgerpflicht.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Günter Meißner.

Unser Autor arbeitet als Journalist & Pressefotograf beim MEDIENINFO-BERLIN - www.medieninfoberlin.de

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