Berlin

In Berlin gibt es vieles doppelt: Das sind nicht selten Überbleibsel der einst in Ost und West geteilten Stadt.

Kontinental: So etwa gibt es einen Zoo und einen Tierpark. Ersterer wurde nach dreijähriger Bauzeit am 1. August 1844 gegründet und ist damit der älteste Zoo Deutschlands und der neunt älteste der Welt. Bei der Teilung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg lag er in den Westsektoren – Grund genug letztlich für die DDR, 1955 in ihrem Teil Berlins den Tierpark zu eröffnen, der noch heute mit seinen 160 Hektar und über 20 Kilometer Wegen der größte Landschaftstiergarten der Welt ist. Für Zoo und Tierpark wurde nach der Wiedervereinigung eine Art Koexistenz unter gemeinsamer Verwaltung vereinbart, und unter Leitung des im Frühjahr 2014 berufenen Direktors Dr. Andreas Knieriem werden beide Einrichtungen für die Zukunft „gewappnet“.

Besonders interessant und beispielgebend erscheint dabei die Planung für den weit im Osten der deutschen Hauptstadt gelegenen Tierpark, der schnell und bequem u. a. mit der U-Bahn zu erreichen ist (Linie 5). Seine knapp 8.000 Tiere (815 Arten!) werden sich nach Ende der entsprechenden Baumaßnahmen in einer Umgebung wieder finden, die jener entspricht, in der sie in freier Natur vor kommen – und das „geordnet“ nach den Kontinenten unserer Erde.

So wird es beispielsweise die weiten Steppen Afrikas geben oder den tropischen Amazonas, die Vielfalt Europas oder die Einmaligkeit der Himalaja-Region. Und mitten drin die dort ansässigen oder beheimateten Tiere – nur eben das alles in Berlin, den Realitäten nachempfunden und nachgebaut.

Dafür werden in den nächsten drei Jahren und einer ersten Bauphase rund 30 Millionen Euro investiert. Neben dem Land und der „Gemeinschaft der Förderer von Zoo und Tierpark“ beteiligt sich die Lottostiftung maßgeblich an dieser Finanzierung.

Die Planungen gehen aber viel weiter – bis 2030 etwa, und das mit einem Volumen um die 90 Millionen Euro.

Ein Zoo also – besser: Der Berliner Tierpark – geordnet nach Kontinenten: Das wird schon etwas Außergewöhnliches. Doch dabei allein bleibt es nicht.

So wird das denkmalgeschützte Alfred-Brehm-Haus geradezu entkernt und völlig umgebaut. Dieser Bau war nach seiner Fertigstellung 1963 das größte Raubtierhaus der Welt (5.300 qm)– und damit eine Sensation. Er wurde auch „begehbare Tropenhalle“ genannt, seine Innenfelsanlagen mit Wassergraben waren damals weltweit einmalig.

Einzig aber auch die Zukunft: Hier werden die Besucher in die tropische Welt Südostasiens mit seinen legendären Inseln eintauchen können und etwa die Lebensräume von Sumatra-Tigern, Java-Leoparden oder Goodfellow-Baumkängurus sowie Malaienbären erleben.

Dieser Umbau in ein modernes Regenwaldhaus macht jedoch plötzlich Probleme – man ist schließlich im BER-geplagten Berlin!, denn der Zustand des Gebäudes ist weitaus miserabler als ursprünglich erwartet und wohl auch definiert. Hinzu kommt, dass Fundamente, Leitungen und Schächte fehlerhaft in den alten DDR-Bauzeichnungen dokumentiert sind. So wurden genau dort, wo sich die Malaienbären auf Baumstämmen tummeln und nach Insekten buddeln sollen, Starkstromkabel mit Ölummantelungen entdeckt. Hier wird es also zu Zeitverzögerungen kommen – und teurer wird auch alles.

Für Besucher, die nicht besonders „zu Fuß“ sind, gibt es eine Elektrobahn. Sie ist kostenlos. Die Rundfahrt geht über etwa vier Kilometer. Man kann sie auf der Route verlassen und wieder besteigen.

Der Tierpark Berlin liegt im Berliner Ortsteil Friedrichsfelde, was wiederum zum Bezirk Lichtenberg gehört. Einst besaß der brandenburgischen Generalmarinedirektor Benjamin Raule das Gelände. Er ließ auf seinen Ländereien 1665 das Schloss Rosenfeld errichten. Das wurde nach Plänen von Arnold Nering im holländischen Landhausstil gebaut. Drei Jahre später schon übernahm es der preußische König Friedrich I.

Es wurde mehrmals verkauft und umgebaut und nach dem nahegelegenen Dorf Friedrichsfelde benannt. Die heutige Form erhielt das Schloss im Jahr 1800, nachdem seine Fassade im frühklassizistischen Stil umgestaltet worden war. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss nahezu unbeschädigt, aber die DDR ließ es ebenso wie den dazugehörigen Park verkommen. Der geplante Abriss konnte verhindert werden. Neben der originalen Treppe und Fresken im Festsaal sind dort bildende und angewandte Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts zu sehen.

ReiseTravel Fact: Nach erforderlichen Sanierungsmaßnahmen – Kostenpunkt: vier Millionen Euro – sollen im Schloss Bibliothek, Archiv und Teile der Verwaltung des Tierpark einziehen. Geplant ist auch eine Ausstellung über die zoologische Geschichte Berlins. 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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