Berlin

Neubauten, Modernisierungen, Denkmalpflege und soziales Engagement gewürdigt

Bauherrenpreis: Wer ein Haus baut, restauriert, renoviert oder mit wärmedämmenden Maßnahmen ausstattet, hat alle Hände voll zu tun. Das ist meist wörtlich zu nehmen, so mancher Bauherr greift persönlich zu Wasserwaage, Pinsel, Maurerkelle, Schubkarre und anderem Handwerksgerät. Alle Hände voll zu tun hat der Bauherr auch mit Anträgen bei Bauämtern, manchmal auch mit Denkmalbehörden, wenn sein Gebäude unter Denkmalschutz steht oder dies demnächst geplant ist. Zwar helfen dem Einzelnen bei Bauanträgen auch Fachleute wie Architekten und Bauingenieure, aber die Hauptverantwortung liegt beim Bauherrn. Er ist es, dessen Name auf dem Antrag steht. Haben Behörden etwas zu beanstanden, wenden sie sich an ihn, niemals an den Architekten. Der Baufachmann fungiert als Berater des Bauherrn, „Herr des Verfahrens“ ist derjenige, der die Bezeichnung Bauherr führt. Um so schöner ist es dann für den „Häuslebauer“, wenn er auch noch für sein Projekt geehrt wird. Im Berliner Bezirk Reinickendorf wurden wieder Auszeichnungen und Belobigungen vergeben für Projekte, die in den letzten zwei Jahren zum Abschluss gekommen sind. Der „Reinickendorfer Bauherrenpreis“ wurde 13 Mal vergeben, aufgeteilt in 5 Preisen und 8 Belobigungen. Das strenge Preisgericht arbeitet ehrenamtlich und in ihm befinden sich Architekten, Stadtplaner, Regionalplaner, Denkmalschützer, Hausverwalter und der zuständige Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Martin Lambert. Insgesamt hat man 39 Projekte formlos der Jury zur Kenntnis gebracht. Jeder Bürger kann das Preisgericht in Kenntnis setzen, wenn er ein in den letzten zwei Jahren erstelltes, restauriertes, umgebautes Gebäude gesichtet hat und für lobenswert hält. Gehen beispielsweise unsere werten User aus Wien, Zürich, München oder von wo auch immer durch den Berliner Bezirk Reinickendorf und sind der Meinung, dieses Haus, diese Fabrikhalle, diese Tankstelle, diese Kita oder welches Gebäude auch immer soll den Reinickendorfer Bauherrenpreis erhalten, kann diese Meinung öffentlich kundgetan werden.

Es ist natürlich auch angebracht, unsere werten User überzeugen sich einmal vor Ort, ob sie die Meinung des Preisgerichts teilen. Wir geben die geehrten Gebäude des Reinickendorfer Bauherrenpreises bekannt, sie sind auch garantiert leicht zu finden. Die Preisträger dürfen die Sieger - Plakette an ihrem Gebäude anbringen. Das Schild weist alle vorbeikommenden Besucher darauf hin, dass dieses Gebäude den Reinickendorfer Bauherrenpreis 2014 erhalten hat. Bezirksbürgermeister Frank Balzer teilte in seiner Rede mit: „Wohnungsbau ist ein wichtiges Thema in der Stadt und sorgt manchmal auch für Verärgerung.“ Es gelte auch in diesem Bereich, Abwägungen vorzunehmen. Er nannte das Beispiel von „zwei Hochhäusern im Märkischen Viertel und einer dazwischen liegenden Grünfläche. Sollten nun Überlegungen aufkommen, diese Grünfläche als Standort für ein 3. Hochhaus zu nutzen, dann sagen wir dazu nur: Das wird es mit uns nicht geben.“ Baustadtrat Martin Lambert betonte bei der Preisverleihung, er als Jurymitglied habe wie seine Kolleginnen und Kollegen aus der Jury die „Qual der Wahl“ gehabt. Am Ende der vielen Beratungen fielen die Preise an:

Die Kita in der Straße Alt-Wittenau 89. Hier beeindruckte die Jury die Integration eines Kita – Neubaus in ein bestehendes Baudenkmal. Der kleine Rest einer vorhandenen Denkmalsubstanz blieb erhalten und wurde kein Opfer der Spitzhacke.

Der Erweiterungsbau der Elisabethstift – Schule im Ortsteil Hermsdorf im Falkentaler Steig 10 sagte dem Preisgericht zu. Die sich aus dem Erweiterungsbau geschaffene Verbindung mit integrierter Sporthalle und dem Altgebäude der Schule ergeben zusammen „einen positiven städtebaulichen Akzent.“

Der Supermarkt im Oraniendamm 46 gefiel ebenfalls. Hier beeindruckte das Preisgericht: „Der Markt trägt wesentlich zur städtebaulichen Wirkung des neu entstandenen Ensembles bei.“

Der Neubau eines Einfamilienhauses in der Minheimer Str. 35 gefiel den Preisrichtern mit folgender Begründung: Durch die „mutige städtebauliche Geste in einem überwiegend durch traditionelle Architektur geprägten Umfeld.“

Der Umbau und die Modernisierung am Werftendensteig 5/7 sagte auch zu. Die „Stabilisierung der städtebaulichen Situation“ bewirkte die Preisvergabe.

Das Fabrikgelände in der Kühnemannstr. 11 wurde durch Gartenarbeiten neu gestaltet. Die Außenraumgestaltung gefiel dem Preisgericht wegen „der Entstehung eines Kleinods inmitten des Industriegebiets.“

Die Instandsetzung einer Doppelhaushälfte im Thurbrucher Steig 52 wurde ausgezeichnet weil „die Bauherrin bewusst auf eigentlich zulässige neue Elemente wie Dachüberstände, Dachflächenfenster, Gauben oder Anbauten verzichtet hat.“

Im Waidmannsluster Damm 138 wurde ein Denkmalgeschütztes, aber stark Beschädigtes Wohnhaus wiederhergestellt. Der Bauherr hat „großen Wert darauf gelegt, die erhaltenswerten Teile der alten Bausubstanz zu retten.“

In Tegel unterzog man Reihenhäuser einer denkmalgerechten Instandsetzung. Im Allmendeweg 1 – 35 sowie 66 – 123 beeindruckte diese Maßnahme „durch die aufwendige und langfristige denkmalgerechte Sanierung“, die „das Bewusstsein für die besondere Qualität der denkmalgeschützten Siedlung geschaffen und gestärkt“ hat.

 Wohnblöcke im Becherweg 1 – 9 sowie Humboldtstr. 97 – 99 wurden denkmalgerecht saniert und energetisch ertüchtigt. An diesen Gebäuden gefiel den Preisrichtern dass sowohl dem „modernen Wohnungsbau als auch dem Denkmalschutz Rechnung getragen wurde.“

Eine Aktivierung eines leer stehenden Denkmals im Ortsteil Waidmannslust ist von ganz außerordentlicher Bedeutung. Ein privater Investor erwarb im Oraniendamm 40 – 43/Dianastr. 2 – 5 eine ehemalige Kita und nun befindet sich ein Frauenkrisenzentrum in diesem ehemaligen Gebäude, das einst im Besitz des Bezirkes sich befand. Der Berliner Liegenschaftsfonds, der alle Gebäude in Händen der Bezirke, von denen sich dieser trennen will, meistbietend verkauft, tat das auch in diesem Fall. Der Investor gab das höchste Angebot ab, um ein später von ihm saniertes ehemaliges Bezirksgebäude kostengünstig an eine soziale Einrichtung zu vermieten. Er hat „bewusst auf maximale wirtschaftliche Verwertung“ verzichtet.

Im Märkischen Viertel im Wilhelmsruher Damm 97 sowie 100 wurden Fassaden saniert und neugestaltet. Die Jury sagte hierzu: „Mit der künstlerischen Gestaltung der an sich unspektakulären Giebelwände hat die Wohnungsbaugesellschaft einen ansprechenden städtebaulichen Akzent mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen.“

Eine außergewöhnliche Initiative lag auch in Alt – Reinickendorf 25 vor. Ein Schriftzug einer ehemaligen Schraubenfabrik aus dem Jahre 1899 ist gewürdigt worden, weil „die Wiederherstellung des Schriftzuges eine bedeutende handwerkliche Herausforderung bedeutete. Die genaue Form der Buchstaben des originalen Schriftzuges war individuell gestaltet und außerdem an den Fugenverlauf angepasst. Daher hat sich der ausführende Handwerker entschlossen, die Rekonstruktion per Hand zu malen.“ http://www.berlin.de/ba-reinickendorf/politik-und-verwaltung/bezirksamt/stadtentwicklung-umwelt-ordnung-und-gewerbe/

ReiseTravel Fact: Alle Preisträger haben vollkommen zu Recht ihre angemessene Würdigung erhalten. Einer von ihnen ist der primus inter pares, also der Erste unter Gleichen. Ein privater Investor verzichtet freiwillig auf Mehreinnahmen und stellt dem Frauenkrisenzentrum preisgünstig das von ihm teuer vom Land Berlin erworbene Grundstück und später umgebaute Haus zur Verfügung. Bewusst für geringere Mehreinnahmen haben sich die Besitzer entschieden mit einer einleuchtenden Begründung: „Jeder von uns kann schon morgen unverschuldet in eine Notlage geraten. Dann ist man für jede Hilfe dankbar.“ Hier haben die Eigentümer des Gebäudes mal einen Blick in unser Grundgesetz geworfen, dass kurz nach einem verheerenden Krieg, den Deutschland angezettelt hat, im zerbombten Land entstanden ist. Da steht auch zu lesen: „Eigentum verpflichtet.“ Es wäre schön, wenn alle Hausbesitzer und Direktoren von Wohnungsbaugesellschaften, seien sie genossenschaftlich, privat oder amtlich aufgestellt, da mal hineinblicken würden und so handelten wie in diesem besonderen Fall in Reinickendorf.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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