Berlin

Museumsinsel Berlin erhält einen neuen Eingang

Der Grundstein für den Bau der James-Simon-Galerie wurde gelegt: Mit der Grundsteinlegung ist ein Meilenstein im Bauablauf erreicht. Seit 2009 wurden Tiefbauarbeiten zur Herstellung der Baugrube und Gründung durchgeführt. Das Baugrundstück wird von einer eiszeitlichen Auswaschung geprägt, die sich vom Alten Museum bis unter das Pergamonmuseum zieht. Tragfähiger Baugrund ist wegen dieser sogenannten Kolklinse teilweise erst in Tiefen von 40 Meter zu erreichen. Das Grundwasser steht bis etwa 2,50 Meter unter der Geländeoberfläche. Da die extremen Bedingungen des Baugrundes noch größere Schwierigkeiten mit sich brachten als zunächst angenommen und darüber hinaus einer Tierbaufirma gekündigt werden musste, ergaben sich deutliche Verschiebungen im Terminplan und eine Erhöhung der Kosten. Für das Gebäude sind nun Gesamtkosten in Höhe von 98,8 Mio. Euro bewilligt.

Dabei handelt es sich um ein neues Eingangsgebäude auf der Museumsinsel. Anwesend war Michael Odenwald, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz sowie Rita Ruoff-Breuer, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und Alexander Schwarz, Architekt bei David Chipperfield Architects. Auch die Nachfahren von James Simon, dem Mäzen, nach dem das neue Eingangsgebäude benannt wird, nahmen an der Grundsteinlegung teil.

Hermann Parzinger sagte: „Heute wird nach über 100 Jahren wieder ein Grundstein auf der Museumsinsel gelegt. Die bedeutendsten Architekten ihrer Zeit haben hier gebaut. Mit David Chipperfield setzen wir diese Tradition nun fort. Nachdem wir drei der fünf historischen Häuser erfolgreich saniert und glanzvoll wiedereröffnet haben, entsteht nun ein neues Haus, das die Besucher gastlich empfangen wird, das Orientierung geben und Raum für Wechselausstellungen bieten wird“.

Michael Eissenhauer ergänzte: „Mit der Namensgebung für das neue Eingangsgebäude verneigen wir uns vor James Simon, dem bedeutendsten Mäzen in der Geschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Nicht nur die Menge der Kunstwerke, die er den Museen stiftete, ist beeindruckend, sondern auch die Qualität. Die Liste der Spitzenwerke, die wir seinen Schenkungen und Förderungen verdanken, reicht von der Büste der Nofretete über das Ischtar-Tor bis zu Mantegnas Maria mit dem schlafenden Kind“.

Das neue Eingangsgebäude wird zentrale Servicefunktionen der Museumsinsel übernehmen. Die jährlich rund drei Millionen Besucher werden hier empfangen werden, wie es einem international bedeutenden Museumskomplex heute entspricht. Auf 4.600 Quadratmeter Nutzflächen werden Museumsshop und Gastronomie, Kassenbereiche und Garderoben zu finden sein. Neben dieser zentralen Infrastruktur für die gesamte Museumsinsel sind ein Auditorium und ein Raum für Sonderausstellungen sowie Büros und Lagerflächen vorgesehen.

Derzeit sind drei von insgesamt fünf Trögen der Baugrube fertiggestellt, an den übrigen werden die letzten Arbeiten ausgeführt. Die Tiefbauarbeiten werden voraussichtlich zum Jahreswechsel2013/2014 abgeschlossen. Anfang 2014 soll mit dem Rohbau begonnen werden. Die Fertigstellung der James-Simon-Galerie ist für 2017 vorgesehen.

David Chipperfield Architects greift in seinen Plänen für den Neubau klassische Architekturelemente auf und interpretiert diese in zeitgenössischer Formensprache. Damit wird sich die James-Simon-Galerie harmonisch in das historische Ensemble der Museumsinsel einfügen, das seit 1999 zum UNESCO-Welterbe zählt. Auf der südlichen dem Lustgarten zugewandten Seite wird eine große Freitreppe das Gebäude prägen. Auf der Westseite wird die Jamens-Simon-Galerie unmittelbar aus dem Wasser des Kupfergrabens emporragen, wobei ihr unterer Bereich den Sockel des benachbarten Pergamonmuseums fortführt, während sich darüber eine sogenannte Hochkolonnade erhebt. Dieses in moderner Form übersetzte historische Motiv der Kolonnaden ist insgesamt ein bestimmendes Element der Architektur des Neubaus. 

James Simon lebte von 1851 bis 1932 in Berlin, entstammte einer jüdischen Familie und wurde mit dem Handel von Baumwolle reich. Sein Vermögen wurde 1911 mit 35 Millionen Mark beziffert; sein jährliches Einkommen betrug 1,5 Millionen Mark. 1886 zog er mit seiner Frau Agnes die Villa in der Tiergartenstraße 15a, auf der heute der Bau der Landesvertretung Baden-Württemberg steht.

Kaiser Wilhelm II. zog für wirtschaftliche Fragen prominente Männer zurate, so auch James Simon, der auch für jüdische Themen zuständig war. Nach der Abdankung des Kaisers 1918 blieben sie jedoch weiterhin in Verbindung. Zur Beisetzung von James Simon 1932 schickte der Kaiser aus Doorn einen Kranz. Beide waren über ihre Leidenschaft für die Antike miteinander verbunden. Simon finanzierte 1911 Ausgrabungen in Ägypten, wo der Kopf der Nofretete gefunden wurde. Auch die italienische Renaissance fand sein Interesse, sodass er 1900 seine umfangreiche Sammlung aus dem 15. bis 17. Jahrhundert dem späteren Bode-Museum schenkte. Danach baute Simon eine Sammlung von deutscher und niederländischer Holzplastik des Spätmittelalters auf mit Kunstgewerbegegenständen aus Deutschland, Frankreich und Spanien, die er ebenfalls den Berlinern Museen schenkte. Sozial war er ebenfalls stark engagiert; so verschenkte er etwa ein Drittel seines jährlichen Einkommens. Simon gründete zahlreiche Wohltätigkeitsvereine, eröffnete Volksbäder für Arbeiter, richtete Krankenhäuser ein, baute Ferienheime für Arbeiterkinder an der Ostsee und unterstützte persönlich in Not geratene Familien, Nachwuchsmusiker und junge Wissenschaftler. Berlin setzt ihm mit der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel ein angemessenes Denkmal.

Edelgard RichterEin Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

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