Berlin

Aktuelle Technologieprodukte auf der InnoTrans Berlin

Messe für Verkehrstechnik: Technologieunternehmen aus aller Welt stellen aktuelle Produkte und Neuheiten in den Sektoren Innovative Komponenten, Systeme und Fahrzeuge vor. Bei dieser Messe spielt das Außengelände eine sehr wichtige Rolle. Dort werden die vorhandenen Gleise benutzt, um Lokomotiven, Waggons, Straßenbahnen und Bahntechnik zu repräsentieren. Die Messebesucher konnten in den Zügen Platz nehmen und die neusten Sitze begutachten, durften auch mal auf den Führerstand einer Lokomotive und sich auf den Sessel setzen, der normalerweise nur dem Lokomotivführer vorbehalten ist. Es sind aber nicht nur die allerneusten Produkte in Sachen Lokomotiven, Straßenbahnen und Waggons zu bewundern gewesen auf der InnoTrans. Eine Kohlenlokomotive mit dem Namen „Emma“ fuhr eine kleine Strecke mit Fahrgästen. Die Fahrt ist kostenlos gewesen, es haben sich sehr lange Schlangen am Abfahrtsziel gebildet. Pro Tour kamen immer nur 6 bis 8 Gäste auf die Lokomotive und durften mit der „Emma“ sich in Bewegung setzen. Da, wo Heizer und Lokführer stehen, konnten Besucher sich ebenfalls aufstellen. Hatten die Fahrgäste einen etwas korpulenteren Umfang, kamen auch schon mal nur 4 Besucher in den Genuss einer Fahrt. Handelte es sich um schlanke Personen, kamen bei einer Fahrt gleich 8 Gäste zum Zuge im Zug.

Eine Diesellokomotive älterer Bauart war vom Publikum ebenfalls stark belagert. Die Diesellokomotive der Baureihe V 221 fuhr zwar nicht auf dem Messegelände, konnte aber von innen bestaunt werden. Hier standen die Gäste ebenfalls Schlange, um einmal auf dem Lokführer Sessel Platz nehmen zu dürfen. Erwachsene Männer (Damen wurden dabei nicht beobachtet!) streichelten mit ihren großen Händen die Diesellokomotive der Baureihe V 221 und hielten diesen Augenblick mit der Kamera fest.

Bei einigen Radiosendern werden ja gerne „Schlager von gestern“ gespielt und es heißt dann immer: „Old, but gold.“ Das trifft auch für alte Lokomotiven zu, wie die InnoTrans unter Beweis stellen konnte. Lokomotiven, die mehrere Jahrzehnte „auf dem Buckel“ hatten, waren oft begehrter auf dem Messegelände als Lokomotiven, die erst wenige Wochen zuvor die Produktionshallen verlassen hatten. Das Motto „Old, but gold“ gilt also auch für Eisenbahnfans. Die Münchener Firma Krauss Maffei und die Kieler Firma „MaK“ erbauten 1953 die erste Diesellok dieser Baureihe und nannten sie V 200. Ab 1962 kam die stärkere Baureihe V 200.1 heraus, die dann später als Baureihe 221 auf den Markt kam. Insgesamt bauten die beiden Firmen 86 Lokomotiven, die je 80 Tonnen wogen.

Diese Diesellokomotiven kamen zum Einsatz, um Schnellzüge zu befördern. Die Höchstgeschwindigkeit der V 221 lag bei 145 Km/h. Da in Westdeutschland Ende 1960/Anfang 1970 die Elektrifizierung rasant fortschritt, kamen die Diesellokomotiven vermehrt zum Gütertransport und für Nahverkehrs Personenzüge zum Einsatz. Eine technische Besonderheit damals war, diese Lokomotiven verfügten über zwei Motoren.

Ab 1977 zog die Deutsche Bundesbahn die Baureihe V 200 bis 221 in Norddeutschland zusammen. Der „rote Flitzer“ war ein begehrtes Fotomotiv auf der Strecke Hamburg nach Puttgarden, besonders ab Großenbrode in Ostholstein. Fuhr die V 221 von Großenbrode zur Insel Fehmarn und passierte die Fehmarnsundbrücke, im Volksmund „Kleiderbügel“ ob der Brückenform genannt, standen die Eisenbahnfans am Brückengeländer regelrecht Spalier. Die „Vogelfluglinie“ ging von deutscher Seite aus bis zum Grenzbahnhof Puttgarden und von dort wurden die Waggons in die Fährschiffe rangiert zum Weitertransport nach Rödbyhaven ins Königreich Dänemark. 1984 war aber die letzte Fahrt einer Diesellok der Baureihe V 221 angesagt, zumindest auf deutschem Boden.

Krauss Maffai und „MaK“ verkauften selbstverständlich auch diese Baureihe ins Ausland. Die SBB, die „Schweizer Bundesbahn“, fuhr bis 1997 mit dieser Diesellokomotive. Eine private Bahn in Italien setzt bis heute in der Umgebung von Ferrara die Lokomotiven ein. Allerdings müssen Fans enttäuscht werden, die sich eine Fahrkarte in Italien kaufen möchten, um einmal von der V 221 gezogen zu werden. Die noch im Einsatz tätigen „roten Flitzer“ dienen heutzutage ausschließlich zum Transport von Güterwaggons.

Das italienische Unternehmen lässt die noch wenigen V 221 in Kroatien warten, da die benötigte Technik in Italien gar nicht mehr vorhanden ist. Natürlich sind an der Strecke in der Region Ferrara immer zahlreiche Fans, vornehmlich aus Deutschland, zu beobachten, die ihre V 221 fotografieren und filmen. www.innotrans.de

ReiseTravel Fact: Die Messe InnoTrans kommt sowohl bei Fachbesuchern als auch beim Tagespublikum sehr gut an. Die Mischung macht den Reiz der InnoTrans aus. Wer uralte Züge erleben, sogar einmal mitfahren will auf einer Kohlenlokomotive oder ins Führerhaus einer alten Diesellok möchte, ist auf dieser Messe genau so richtig aufgehoben wie der Gast, der den „allerneusten Schrei“ in der Lokomotiven Verkehrsbranche erleben will. Es soll ja auch Besucher geben, die sich sowohl für „Old“ als auch „New“ begeistern können.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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