Berlin

Feierliches Gelöbnis am Bendlerblock

Im Gedenken: Der 20. Juli ist ein Tag mit herausragender Bedeutung für Deutschland. Obwohl das Ziel nicht erreicht worden ist, hebt er sich wohltuend von Duckmäusertum, Willkür und Entrechtung sowie millionenfachem Mord ab!

Am 20. Juli 1944 zündete Oberst Graf Stauffenberg im Führerhauptquartier in der ostpreußischen „Wolfsschanze“ eine Bombe. Der Diktator Hitler, der für die Grauen des Zweiten Weltkrieges, darunter in Dachau, Auschwitz, Bergen-Belsen und vielen anderen Orten des Terrors verantwortlich war, sollte beseitigt werden.

Diese Zahlen, verursacht von Hitler und seinen willfährigen Helfern, dürfen nie vergessen werden: 6 Millionen Juden wurden ermordet, weil den Faschisten diese Religion nicht arisch erschien. Durch den von Deutschland verursachten Angriffskrieg auf die Sowjetunion kamen über 20 Millionen Bürger der UdSSR ums Leben. Allein im damaligen Leningrad und heutigen St. Petersburg kamen durch Hunger, Kälte und fehlende Medikamente zwischen 0,8-1,1 Millionen Menschen ums Leben. Die genaue Zahl wird wohl nie mehr zu ermitteln sein. Generaloberst Olbricht, Oberst Mertz von Quirnheim und Oberleutnant Werner von Haeften sowie zahlreiche andere Mitwirkende wollten dem durch Hitler verursachten Unrecht ein Ende bereiten. Die tapferen Widerstandskämpfer zahlten ihren Einsatz mit ihrem Leben. Noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 wurden sie im Bendlerblock in Berlin-Tiergarten erschossen. In der Zeit von Juli 1944 bis zum Kriegsende in Europa im Mai 1945 starben mehr Menschen als in der Kriegszeit von September 1939 bis Juni 1944.

Die Bundeswehr würdigte bereits kurz nach ihrem Entstehen im Jahr 1956 diesen Widerstand. Im 1957 erschienenen „Handbuch Innere Führung“ stellte sie einen klaren Bezug zum neuen Traditionsverständnis her. Der erste Generalinspekteur der Bundeswehr, General Heusinger, sprach am 20. Juli 1959 von einer „Tat gegen das Unrecht und gegen die Unfreiheit.“ Er nannte die Widerstandskämpfer „Lichtpunkte in der dunkelsten Zeit Deutschlands.“

Am 20. Juli 2016 legten rund 400 Rekrutinnen und Rekruten ihr feierliches Gelöbnis auf dem Paradeplatz am Bendlerblock ab. Die Gelöbnisansprache hielt Bundesverteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen. Als Ehrengast sprach Bischof i. R. Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber zu den jungen Soldatinnen und Soldaten. Von 1994 bis 2009 übte er das Amt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz aus. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU), der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses Ralf Wieland (SPD), Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete, Botschafter und Militärattaches.

Gelöbnis am Bendlerblock ReiseTravel.eu

Gelöbnis am Bendlerblock: Bundesverteidigungsministerin von der Leyen betonte: „Dies ist ein denkwürdiger Tag, auch ein Tag der Bewahrung der Menschenwürde.“ Heute steht die Bundeswehr auch als Garant für folgende Aussage: „Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst.“

Die Aufgaben der Bundeswehr heute sind vielfach humanitärer Natur. So „rettet die Marine täglich Flüchtlinge aus dem Mittelmeer.“ In Mali ist sie am Friedensprozess beteiligt und in Afghanistan beispielsweise begleitet sie die dortigen Sicherheitskräfte auf dem Weg zu Frieden und Demokratie. „Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr stehen heute mit ihrem Leib und ihrem Leben für die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben ein.“ Bischof Huber teilte mit: „Wir stehen an einem ungewöhnlichen Ort. Von hier aus sollte die Neuordnung nach dem Tod des Diktators stattfinden.“ Er sagte auch: „Am 20. Juli bestimmte ein Geist von Dankbarkeit und Verantwortung den Raum.“ Man müsse „für den Mut der Widerstandskämpfer dankbar sein.“ Er erinnerte an den deutsch-amerikanischen Historiker Fritz Stern, der im Mai 2016 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Fritz Stern sagte einst im Bendlerblock: „Der Soldat muss immer seinem Gewissen folgen.“ Die tapferen Männer des 20. Juli 1944 taten das und wurden von den Nationalsozialisten dafür hingerichtet. www.bmvg.de

ReiseTravel Fact: Oberst Graf Stauffenberg und seine Mitstreiter haben gezeigt, dass es auch andere Deutsche gab. Nicht nur diejenigen, die als KZ-Wächter, Blockwarte und Mitläufern Hitler dienten. Hätte es sie niemals gegeben, wäre ein Widerstand gegen den millionenfachen Massenmörder Hitler gar nicht notwendig gewesen. Ihn hätte es, zumindest als „Führer“, nicht gegeben. Der Mut der Soldaten des 20. Juli 1944 reiht sich ein in Widerstandskämpfer wie Dompropst Lichtenberg, Harro Schulze-Boysen von der „Roten Kapelle“, Georg Elser und anderen. Sie alle zahlten mit ihrem Leben für ihren Mut. Einige von ihnen wurden erst Jahrzehnte nach ihrer Hinrichtung offiziell nicht mehr als Straftäter in den Archiven der Justiz geführt, weil man sie endlich nachträglich begnadigt hatte. Das ist aber bereits wieder ein anderes Kapitel.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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