Paris

Metropolis bleibt in der Spur, das erforderliche Ausbalancieren entfällt

Haute Cuisine: Ob der Autofahrer an der Ampel sich wohl wundert, dass der vor ihm haltende Rollerfahrer die Füße oben behält und trotzdem nicht umfällt? Mit dem MP3 hat Piaggio vor gut zehn Jahren ein revolutionäres Fahrzeugkonzept entwickelt, einen Dreirad-Roller, der sich dank Neigungstechnik mit einer Parallelogramm-Vorderradführung wie ein Motorrad in die Kurve „legt“ und im Stand auf allen Dreien stehen bleibt. Peugeot hat sich mit der kompletten Eigenentwicklung Metropolis bei den mittlerweile drei, vier Nachahmern eingereiht. Zielgruppe sind neben sicherheitsbewussten Zweiradfans auch Autofahrer.

Peugeot Metropolis 400i RS ReiseTravel.eu

Dank ausreichend großer Spurbreite vorne und einem Bremspedal gilt auch der Peugeot Metropolis als Mehrspurfahrzeug und darf auch mit dem Pkw-Führerschein bewegt werden. Die Vorteile des Dreirad-Prinzips sind hinlänglich bekannt: Mehr Reifenaufstandsfläche bedeutet mehr Grip, insbesondere bei Nässe, Fahrbahnunebenheiten und natürlich beim Bremsen, wo mehr Verzögerungskräfte auf den Asphalt übertragen werden kann – und das, ohne auf das Zweiradgefühl verzichten zu müssen.

Am einfachsten kann man sich beim Peugeot von der gewonnenen Fahrstabilität überzeugen, wenn man ein Stück freihändig fährt: der Metropolis bleibt in der Spur, das bei einem Motorrad in dieser Situation erforderliche Ausbalancieren entfällt. Daran ändern dann selbst dezente Bremsungen mit dem Fußpedal nichts. Die Fuhre bleibt ruhig und läuft weiter geradeaus.
All dies darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier die Grenzen der (Fahr-)Physik gelten. Aber drei Räder sind und bleiben nun einmal mehr als zwei. Wackelig wird es eigentlich nur, wenn nach dem Stopp mit blockiertem Vorderradmechanismus wieder angefahren wird. Wer da nur den Gasgriff streichelt und im Schneckentempo losfährt, muss ein wenig aufpassen, dass er trotz 46,5 Zentimetern Spurbreite vorne nicht umkippt. Das gilt insbesondere, wenn der Roller beim Halt nicht absolut waagerecht steht. Der unterhalb von elf km/h per Daumen aktivierbare Feststellmechanismus funktioniert nämlich auch bei geneigtem Fahrzeug. Wer aber ganz normal beim Anfahren Gas gibt, der spürt keinerlei Unruhe.
Schön, dass auch der Motor hält, was der äußere Anschein verspricht. Peugeot hat dem Metropolis ein munteres und ausreichend starkes Triebwerk spendiert, das auch Motorradfahrer glücklich macht. Beim beherzten Beschleunigen zieht der 256 Kilogramm schwere Maxi-Scooter im Bereich zwischen 5000 und 6000 Touren sehr flott vorwärts. Die stufenlose Getriebeautomatik arbeitet angenehm sanft und unaufgeregt. Leistung wird in keiner Situation vermisst. Meist standen wegen des guten Sprintvermögens bei uns gut und gerne 20 km/h mehr auf dem Tacho als eigentlich gerade erlaubt waren.
Mit stets zu erreichenden Tempo 140 auf dem Tacho bei angebenden 1305 km/h Höchstgeschwindigkeit muss sich der Metropolis auch auf der Autobahn nicht zurückhalten. Stehen die Sterne gut, geht die Nadel auch schon einmal leicht über die 150-Markierung hinaus. Die Neigetechnik wird angesichts der ordentlichen Fahrleistungen gerne ausgekostet, zumal sie sich durch geringe Gegenkräfte auszeichnet. Dazu gesellt sich ein angenehm sonorer Auspuffton.
Die Bremshebel hinterlassen allerdings ein etwas diffuses Gefühl (rechts noch mehr als links). Schnell haben wir uns daher daran gewöhnt, fast nur den Fußbremshebel zu benutzen (den kennen wir ja noch von unserer alten Vespa). Er wirkt wie der rechte Handbremshebel als Kombibremse auf alle drei Räder. Dabei lässt sich der mächtige Roller auch bei heftigerer Verzögerung nicht aus der Spur bringen. Das fehlende ABS haben wir daher nicht unbedingt vermisst (dafür bietet Peugeot den Metropolis als Sondermodell für 599 Euro Aufpreis in Verbindung mit einer Airbag-Weste von Dainese an).
Nicht nur mit seinem munteren Motor trumpft der Metropolis auf, sondern auch mit üppiger Komfortausstattung. Dazu zählen LED-Tagfahrlicht, das schnell als äußerst angenehm wahrgenommene schlüssellose Zugangssystem, ein großes Handschuhfach und die elektrische Parkbremse sowie ein kleiner Kofferraum zusätzlich zum leider etwas flachen Staufach unter der Sitzbank, der zudem noch über eine, wenn auch enge, Durchreiche verfügt.
Es gibt im automobil anmutenden Cockpit sogar eine Reifendruckkontrollanzeige. Die Windschutzscheibe ist stufenlos verstellbar. Wir bevorzugten eine mittlere Einstellung, bei der der Oberkörper gut entlastet wird. Dank der breiten Spur gibt es eine ebensolche Verkleidung, die hervorragend schützt. In der 100 Euro Aufpreis kostenden RS-Variante weiß der Peugeot besonders zu gefallen: Die Sportscheibe und orangene Applikationen an den Felgen und dem Kühlergrill sowie Aluminiumtrittfläche und edlere Sitzbank setzen optisch reizvolle Akzente.
Es sind nur ein, zwei Kleinigkeiten, die ein wenig stören. Da ist zum einen die Tankanzeige, die bei Erreichen der Reserve mit zwei dauerblinkenden Balken das Auge nervt; zum anderen der Piepser für den Blinker. Mit ihm signalisiert der Metropolis parallel zur Leuchte im Cockpit, dass der Arretierungsmechanismus aktiviert (Dauerton) werden kann oder gerade wieder gelöst (Intervallton) wird. Da weiß das Ohr in der Abbiegespur an der Ampel oft nicht so recht, wer denn da gerade piept: der Blinker oder der Feststeller? Ähnlich verhält es sich mit den beiden Knöpfen zur (elektrischen!) Fernentriegelung von Sitzbank und Staufach im Heck. Die beiden Symbole sehen sich sehr ähnlich, und auch nach ein paar Testtagen mussten wir immer noch eine Sekunde überlegen, welche Taste denn nun die gewünschte ist.
ReiseTravel Fact: Der Peugeot Metropolis legt einen in mehrfacher Hinsicht starken Auftritt hin. Die Zutaten stimmen. Hochwertige Ausstattung mischt sich mit einem absolut überzeugenden Antrieb zu einem wohlmundenden Ganzen. Allerdings hat auch dieses französische Menü seinen Preis.

Peugeot Metropolis 400i RS
Motor: 1-Zylinder, 4-Takt, 399 ccm, wassergekühlt
Leistung: 27 kW / 37 PS bei 7250 U/min
Max. Drehmoment: 38 Nm bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Getriebe: stufenlose Automatik
Tankinhalt: 13,5 Liter
Sitzhöhe: 780 mm
Gewicht: 256 kg
Bereifung: 120/70 R 12 (vorne), 140/70 R 14 (hinten).
Preis 8.849 Euro.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Jens Riedel.

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